Sport : Warten auf Wind

Morgen wird auch über den Ort entschieden, der 2012 in Deutschland die olympischen Segelwettbewerbe austragen soll

Steffen Hudemann

Berlin. Noch ist nicht alles vorbei. Erst am Samstag wird das Nationale Olympische Komitee (NOK) unabhängig von der Hauptentscheidung über den deutschen Bewerber für die olympischen Segelwettbewerbe befinden. Gegen 16.30 Uhr wird NOK-Präsident Klaus Steinbach im Münchner Hotel Hilton mit einem Überraschungsgast vor die Kameras treten. Der Gast wird ein Blatt Papier in die Hand gedrückt bekommen und verkünden, welche Stadt das NOK für die olympischen Segelwettbewerbe 2012 ins Rennen schicken wird.

Mit großer Wahrscheinlichkeit wird auf dem Blatt nicht Rügen-Stralsund stehen. Die Region hat keine Erfahrung mit Großveranstaltungen. In der Evaluierung des NOK lag Stralsund weit abgeschlagen auf dem vorletzten Platz, hinter Kiel, Rostock und Lübeck. Nur Cuxhaven war noch schlechter

Carina Schmidt aber darf die Hoffnung nicht aufgegeben. Es gehört zu ihrem Job, auch dann weiterzumachen, wenn es aussichtslos erscheint. Schmidt betreut die Olympia-Bewerbung ihrer Region. „Beim 1000-Meter-Lauf steigt man auch nicht nach 800 Metern aus", sagte sie. Aber auch Schmidt weiß, dass die Chancen für Stralsund klein sind. Schließlich erhält Stralsund nicht einmal Unterstützung durch die eigene Landesregierung. Die hat sich für Rostock ausgesprochen, den zweiten Bewerber aus Mecklenburg-Vorpommern.

Es sind die kleinen Dinge, mit denen sich die Vertreter Stralsunds Mut machen. Da ist zum Beispiel die Idee einer Naturtribüne auf der Insel Hiddensee, die diesen bescheidenen Charme unterstreichen soll. „Das hat sonst nämlich niemand“, betont Schmidt ein wenig stolz.

In Kiel lässt sich davon niemand beeindrucken. Die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt gibt sich siegesgewiss. Die Kieler Bürger werden am Samstag zum Tag der offenen Tür ins Rathaus eingeladen. Für den Abend ist schon die große Party geplant. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir gewinnen", sagt der Leiter der Kieler Bewerbung, Christian Riediger. Die Stadt kann auf eine lange Segeltradition zurückblicken. Seit 1882 wird auf der Kieler Förde die Kieler Woche ausgetragen. 1936 und 1972 war Kiel Gastgeber der olympischen Segelwettkämpfe. Wer in Kiel aufwächst, kann sich dem Segelsport kaum entziehen. Schulsegeln und Segel-Camps sollen bereits die Kleinen für das Segeln begeistern. Die Stadt hat es sich zum Ziel gesetzt, dass bis 2012 alle Kinder und Jugendlichen in Kiel einmal in einem Segelboot gesessen haben sollen. „Im Jahr 2012 werden wir ein Segelpublikum haben, das nirgendwo sonst existiert", erzählt Riediger.

Konkurrent Rostock-Warnemünde setzt dagegen auf sein Segelrevier. „Wir haben die besten Wind- und Strömungsverhältnisse aller Bewerber“, betont der Sprecher der Stadt, Ulrich Kunze. Auch Segel-Olympiasieger und America’s-Cup-Gewinner Jochen Schümann lobte die Rostocker Bewerbung. Die Segelstrecke vor Warnemünde sei ein „absolutes Traumrevier“. Rostock möchte Spiele der kurzen Wege bieten. Direkt am Revier wird ein 100 Millionen Euro teurer Yachthafen gebaut. Möglicherweise könnte Rostock von einem Ost-Bonus profitieren. Im Rostocker Rathaus will man davon nichts wissen. „Es wird der Standort gewinnen, der international die größten Chancen hat“, glaubt Kunze. Auch Rostock bewirbt sich nicht zum ersten Mal um die Spiele. Bereits 1992 ging die Stadt gemeinsam mit Berlin in die Endausscheidung für Olympia 2000. An das Ergebnis erinnern sich die Rostocker nicht so gern.

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