Sport : Warten ohne Ende

Wieder verpassen die Dortmunder einen Sieg gegen Schalke

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Von Richard Leipold

Dortmund. Als Borussia Dortmund und Schalke 04 vor einem Jahr um diese Zeit aufeinander trafen, standen Fußballspieler und Fans noch stark unter dem Eindruck der Terroranschläge vom 11. September. Vor dem Anpfiff hatten die meisten der 22 Profis in der Arena „Auf Schalke" einen Kreis der Solidarität gebildet. Dieses Mal führte der Terminplan die Nachbarn aus dem Revier an dem Wochenende zusammen, das auf den ersten Jahrestag der Anschläge folgte. Und wieder stellten die Rivalen sich zunächst in den Dienst einer gemeinsamen Sache. Als die Spieler beider Mannschaften sich vor dem Anpfiff in einer Reihe aufstellten und ins Publikum winkten, hatten sie ein gemeinsames Anliegen. Dortmunder und Schalker warben für die Region Rhein-Ruhr als Olympia-Standort. „Unsere Spiele so bunt wie die Welt 2012" stand auf dem Transparent, das Helfer vor sich hertrugen. Und die 22 Profis standen buchstäblich dahinter. Wenig später, als das Spruchband wieder eingerollt war, hatte es mit dem Gemeinsinn ein Ende. Beim 1:1 im ausverkauften Dortmunder Westfalenstadion bekämpften die Spieler sich von Beginn an voller Inbrunst. Die erste halbe Stunde war geprägt von Provokationen. Schon in der fünften Minute zitierte Schiedsrichter Lutz Michael Fröhlich die beiden Kapitäne Stefan Reuter und Ebbe Sand zu sich und riet ihnen, ihre Kollegen zur Fairness aufzurufen. Doch es fiel den rivalisierenden Gruppen in Schwarz-Gelb und in Blau-Weiß schwer, sich zu mäßigen. Im Mittelfeld konnten Handgreiflichkeiten nur mit Mühe verhindert werden. In den Strafräumen dagegen blieb es lange ruhig. Torchancen entstanden, wenn überhaupt, bei Standardsituationen. „Es war ein sehr kampfbetontes Spiel, zum Teil etwas hektisch", sagte Frank Neubarth, der Trainer des FC Schalke. Flüssige Kombinationen habe der holperige Rasen nicht zugelassen. Zumindest in diesem Punkt waren die Beteiligten sich einig.

Hinzu kamen technische Fehler, sodass sich die Teams selbst in Verlegenheit brachten. Den Anfang machten die Borussen. Verteidiger Metzelder überließ dem heranstürmenden Agali den Ball; der Angreifer nahm die Einladung an und brachte Schalke in Führung (70. Minute). Im Gegenzug revanchierten sich die Schalker mit einem Gastgeschenk. Von Rodriguez im Stich gelassen, stand van Hoogdalem zu weit weg vom Torschützen Ewerthon, der mit einem Kopfstoß den Ausgleich erzielte (71.). Neubarth sprach van Hoogdalem aber frei. „Er stand bei Koller, deshalb hätte Rodriguez Ewerthon übernehmen müssen", sagte der Schalker Trainer und fügte hinzu, es sei mehr als ärgerlich, 20 Sekunden nach dem 1:0 den Ausgleich hinnehmen zu müssen. „Hätten wir die Führung ein paar Minuten gehalten, wären wir als Sieger vom Platz gegangen." Während die Schalker ihr Tagesziel erreichten, hatten die Dortmunder sich mehr ausgerechnet. „Ein Punkt ist zu wenig", sagte Sammer wie ein paar Tage zuvor nach dem Unentschieden in Bochum. „Aber wenigstens haben wir nicht noch verloren." Trotz der Hektik gab es nur eine Hinausstellung, die die Spieler nicht betraf. Sammer musste nach 75 Minuten seinen Platz auf der Bank verlassen. Der Schiedsrichter schickte ihn wegen wiederholten Reklamierens auf die Tribüne.

Eine halbe Stunde nach dem Schlusspfiff konnte Sammer seine Empörung noch immer nicht verbergen. „Ich habe mich nur ein bisschen beschwert", behauptete der Trainer. Die Strafe sei ein Witz. Zum Lachen war den Dortmundern aber nicht zumute. Sie warten seit fast vier Jahren auf einen Sieg über Schalke.

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