Sport : Warum China nie Weltmeister war

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Von Till (8 Jahre alt)

Ich hätte nie gedacht, dass der Fußball aus China kommt. Das geht doch gar nicht, dass die Chinesen den Fußball erfunden haben und bis jetzt noch nie bei einer Weltmeisterschaft mitgespielt haben. Ich habe gleich Papa gefragt. Papa hat gesagt, dass China früher das klügste Land der Erde war, aber das ist lange her, so um die 5000 Jahre, und damals gab es noch keine Fußball-WM. Pech für die Chinesen, sonst wären sie jetzt bestimmt schon hundert Mal öfter Weltmeister als Brasilien.

Das mit China habe ich in dem neuen Was-ist-was-Buch über Fußball gelesen. Ich habe schon zehn andere Was-ist-Was-Bücher, über Ritter und Indianer und so. Eins über Fußball hat mir noch gefehlt. „Lies das gut, dann weißt du bei der WM Bescheid“, hat Papa gesagt. Ich glaube, er hat mir das Buch gekauft, weil ich ihn nicht so oft und so viel fragen soll. Seit einem Jahr interessiere ich mich für Fußball, und seitdem muss mir Papa beim Frühstück Fußballgeschichten erzählen. Ein paar habe ich schon zwei- oder dreimal gehört, und deswegen ist es ganz gut, dass jetzt neue kommen.

Das Buch besteht aus 13 Kapiteln, und wenn mich eines davon nicht interessiert wie „Taktik“, kann ich das einfach auslassen und verstehe trotzdem den Rest. Besonders gut finde ich die Seiten mit den besten Vereinen und Spielern der Welt. Mein Lieblingsverein ist Bayern München. Papa ist das ein bisschen peinlich. Er findet, dass man hier in Berlin für Hertha sein muss. Also, bei uns in der zweiten Klasse sind fast alle Jungen Bayern-Fans. Vor einem Jahr war da das Endspiel in der Champions League gegen Valencia. Wir durften wach bleiben, weil der nächste Tag ein Feiertag war. Das war super, mit Verlängerung und Elfmeterschießen, und Olli Kahn hat drei Elfer gehalten.

Im Buch steht viel über die Bayern. 17 Mal Meister, zehnmal Pokalsieger, sechsmal Europapokalsieger, zweimal Weltpokalsieger. Hertha war zweimal Meister. Einmal weniger als Fürth! Da habe ich Papa gefragt: „Kannst du mir mal sagen, warum ich Hertha-Fan sein soll?"

Richtig gut ist das mit der Abseitsregel erklärt. Mit Zeichnungen, auf denen man genau sieht, wann ein Spieler im Abseits steht. Ein paar andere Sachen habe ich auch erst beim Lesen so richtig verstanden. Zum Beispiel die mit Matthias Lutter. Den fand ich früher schon deswegen super, weil er noch in der Nationalmannschaft gespielt hat, obwohl er älter als Papa war. Jetzt weiß ich, dass er gar nicht Matthias Lutter heißt, sondern Lothar Matthäus. Und noch was: München hat nicht drei, sondern nur zwei Vereine in der Bundesliga, weil Münchengladbach sich mit ö schreibt.

Ich wette, keiner aus meiner Klasse weiß, dass Matthias Sammer früher in Dresden gespielt hat. Bei einem Verein, der jetzt in der vierten Liga spielt. Oder dass Real Madrid 70 Millionen Mark für Zinedine Zidane bezahlt hat. Wo nehmen die das ganze Geld her? Ich dachte immer, die Leute in Südeuropa wären nicht so reich.

Schade, dass viele Texte so lang sind. Da macht mir das Lesen nicht so großen Spaß. Am liebsten lese ich die kleinen Texte unter den Bildern. Mittlerweile kann ich Papa auch schon Geschichten erzählen, ein paar kennt er noch gar nicht. Meine Lieblingsgeschichte ist die vom Spiel Deutschland gegen Russland. Das war bei den Olympischen Spielen 1912 in Stockholm. Die Russen hatten vorher gefeiert und waren beim Spiel noch so betrunken, dass sie kaum geradeaus laufen konnten. Deutschland hat 16:0 gewonnen.

Am Freitag geht es nun los mit der Weltmeisterschaft. Ich freue mich schon, weil viele Spiele anfangen, wenn ich gerade aus der Schule komme. Papa hat mir das mit dem Zeitunterschied zwischen Deutschland und Japan erklärt. Von mir aus könnte die WM immer in Asien sein. Schade nur, dass Deutschland nicht gegen Russland spielt.

Was-ist-was-Fußballbuch. Christoph Bausenwein. 105 Seiten, Tessloff-Verlag (Nürnberg), 12,90 Euro.

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