Sport : Warum ich wieder boxe

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„Das Leben beginnt mit Vierzig“, behauptete der Titel eines vor Jahren in Amerika erschienenen, in der ganzen Welt beachteten Buches. Es trug viel dazu bei, dass man sich in unserer Zeit abgewöhnte, den Mann von vierzig Jahren von vornherein zum alten Eisen zu werfen, wie es noch in der Epoche unserer Großeltern gang und gäbe war. Auf den Sportsmann trifft die Feststellung des Buchtitels zwar insofern nicht zu, als sein Leben, seine Laufbahn, seine Erfolge nicht erst mit 40 beginnen. Er kann sie aber mit voller Berechtigung in der Weise auf sich beziehen, dass seine Leistungsfähigkeit und sein Können in einem Alter von 40 Jahren noch keineswegs beendet zu sein brauchen. In der Tat kennt die Boxgeschichte Beispiele, die das beweisen. Fitzsimmons hat mit 41 in einem mörderischen Kampf Corbett geschlagen und sich den Weltmeistergürtel geholt, und Sullivan war 45, als er letztmalig den Titel des Weltbesten verteidigte.

Nach langen Überlegungen und achtjähriger Pause habe ich im September 1947 erneut die gepolsterten Lederhandschuhe übergestreift. (…) Man darf mir glauben, dass man mich nicht mehr im Ring gesehen hätte, wüsste ich nicht, dass ich im Konzert der Schwergewichtsboxer noch mitgeigen kann. Ob es die erste Geige ist, wird sich erweisen. Der Ehrgeiz eines jeden zielbewussten Sportsmannes schaut über die Landesgrenzen hinweg. (…) Auf jeden Fall werde ich jeden deutschen und internationalen Gegner annehmen. Ich habe auch schon Einladungen zu Kämpfen in Schweden, in der Schweiz und Südamerika erhalten, denen nichts anderes entgegensteht als die Ungewissheit der Ausreisegenehmigung.

Nach dem bisher erfolgreichen Verlauf meines „come backs“ ist es mir eine große Befriedigung, der Jugend zu beweisen, dass ein sportgemäßes Leben eine nicht immer bequeme, aber treffliche Schule für den Existenzkampf ist. Man muss der begeisterungsfähigen Jugend durch Taten sagen, dass der Sport im allgemeinen und der Faustkampf im besonderen Körper und Charakter für die Beschwerlichkeiten des Alltags härtet. (…)

Und die stattlichen Kampfbörsen?, höre ich viele einwerfen. Nun, keiner verdient mehr, als er wert ist. Ich bin nun mal Berufssportler, und wer wollte behaupten, dass das ein unehrenhaftes Handwerk ist? Aber ich hätte es nicht nötig gehabt, mich monatelang einem harten Training zu unterwerfen und, mein Prestige aufs Spiel setzend, selbst in den Ring zu gehen. Gewiss, der Krieg hat mich mein Gut in Ostpommern, die Einrichtung meines Häuschens in Berlin, meine gesamte persönliche Habe, alle Trophäen und Erinnerungsstücke meiner Laufbahn, darunter sogar meinen Weltmeistergürtel, gekostet. Wäre es mir jedoch nur um irgendwelche Summen zu tun gewesen, hätte es wahrhaftig genügt, wenn ich unter die Sportveranstalter gegangen oder Manager oder Trainer geworden wäre.

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