• Warum Istanbuls Star bei den türkischen Basketball-Fans ebenso gut ankommt wie bei den jungen Damen in Istanbul

Sport : Warum Istanbuls Star bei den türkischen Basketball-Fans ebenso gut ankommt wie bei den jungen Damen in Istanbul

Dietmar Wenck

In der Abdi-Ipekci-Halle, der Heimat der Basketballer von Efes Pilsen Istanbul, haben die Fans eine besondere Art entwickelt, den Spielern ihre Zuneigung zu zeigen. Bei wichtigen Anlässen, wie vergangenen Dienstag gegen Alba Berlin, ist die Halle schon eine Stunde vor Spielbeginn voll. Dann wird so lange der Vorname eines der Spieler gerufen, bis der seine Aufwärmphase unterbricht und mit großer Geste aufs Publikum zuläuft, um sich zu bedanken. Die längsten Huldigungen erfährt dabei einer, der vergangene Saison noch ausgepfiffen worden war. Da trat Ibrahim Kutluay allerdings auch noch im Trikot des Lokalrivalen Fenerbahce an. Inzwischen ist er der Liebling der Efes-Fans, und das will er bleiben, sagt Kutluay nach 14 Jahren Fenerbahce: "Ich will nicht zurück."

"Er ist in sehr guter Form, er ist sehr selbstbewusst", sagt sein Trainer Ergin Ataman. Die Berliner haben es am Dienstag schmerzlich erfahren, als Kutluay 24 Punkte erzielte. Er ist ein sicherer Werfer, sehr flink auf den Beinen, ein guter Verteidiger und übernimmt in kritischen Phasen bereitwillig die Verantwortung. Mit seinen erst 25 Jahren gilt Ibrahim Kutluay seit langem schon als bester türkischer Basketballer. Das ist aber nicht der einzige Grund für seine Popularität. Der ledige junge Mann sieht zu alledem gut aus, immer wie aus dem Ei gepellt, hat immer Gel im Haar; im Fernsehen machte er Reklame für ein Shampoo. Die Damen in Istanbul, so heißt es, liegen ihm zu Füßen. In den Sportteilen der Bunten Zeitungen, und davon gibt es eine Menge in der Stadt, machten sich die Reporter schon ernsthafte Sorgen um seine weitere Basketball-Karriere, als mehrere Affären mit Nachtclub-Tänzerinnen ruchbar wurden. Ibrahim Kutluay ist eine sehr gute Partie: Er verdient per anno 1,8 Millionen Dollar und ist damit einer der am höchsten entlohnten Basketballspieler Europas.

Das hat Probleme aufgeworfen, als er zu Efes kam. Bei Fenerbahce, wo Kutluay schon mit 17 Jahren in der Herrenmannschaft spielte, war er der uneingeschränkte Star, in der vergangenen Saison auch der beste Werfer der Europaliga mit durchschnittlich 21,4 Punkten. In seinem neuen Team gibt es andere Hauptdarsteller, wie den Kroaten Damir Mulaomerovic oder den erst 20-jährigen Hidayet Türkoglu. "Anfang der Saison gab es Probleme, aber das ist längst vorbei", sagt Ibrahim Kutluay brav, "wir können nur gemeinsam Titel gewinnen." Schon vergessen, was vor einem Monat geschah? Da kam es zum Eklat zwischen Kutluay und Mulaomerovic, als der Kroate sich über den Eigensinn seines Kollegen beschwerte. Erst beschimpfte er Kutluay, dann seinen Trainer. Dafür wurde er intern ein Spiel gesperrt und zahlte 10 000 Dollar Strafe.

Besser erinnert sich Kutluay an ein Handgemenge mit seinem ehemaligen Trainer bei Fenerbahce, Halil Üner, beim letzten Lokalderby. Efes hatte gewonnen, Kutluay wollte sich von seinen früheren Mitspielern verabschieden, dazu kam es nicht. "War nicht so schlimm", sagt Ibrahim Kutluay zwar, ausgesprochen habe man sich nicht. Das könnte zum Problem werden. Denn der Spieler ist von Fenerbahce nur widerwillig an Efes ausgeliehen worden, "was nach der Saison ist, darauf haben wir keinen Einfluss", behauptet Efes-Manager Engin Özerhun, "Ibrahim muss sich mit Fenerbahce einigen". Sicher könnte Efes die Einigung mit ein paar Dollars beschleunigen.

Ein anderes Kapitel hat Ibrahim Kutluay anscheinend geschlossen. Vor Jahren antwortete er auf die Frage nach seinem Ziel als Basketballer: "MVP in der NBA!" Das heißt: wertvollster Spieler in der besten Liga der Welt. Als die Reporter herzlich lachten, wurde Kutluay richtig böse: "Das ist mein Ernst." Heute lächelt er selbst darüber. Weil er weiß, dass er in den USA nie so viel Geld verdienen könnte wie in der Türkei.

0 Kommentare

Neuester Kommentar