Sport : Warum Sanneh und Deisler den Flug nach Istanbul verpassten

Frank Bachner

Irgendwo über der bulgarischen Schwarzmeerküste, eine gute halbe Stunde vor der Landung, machten sie bei Hertha BSC eine interessante Entdeckung. Preetz war da, Wosz war da, Hartmann, Herzog, Schmidt, Neuendorf, alle waren da. Nun ja, fast alle. Sebastian Deisler und Anthony Sanneh fehlten. Herthas Charterflug nach Istanbul zum ersten Spiel in der Champions League fand gestern Vormittag ohne die beiden Mittelfeldspieler statt.

Das war nun eine etwas dumme Situation. Beim Einchecken waren die beiden noch da, erhielten ordentlich ihre Bordkarte, doch dann versagten mehrere Sicherungssysteme. Erstmal versagten Deisler und Sanneh, und zwar ganz gewaltig. Die hochdotierten Profis, das Reisen durchaus gewöhnt, erinnerten sich nicht mehr an die Abflugzeit und orientierten sich an einer Maschine, die Tegel um 9 Uhr 20 verließ. Dieser Jet hatte zwar als Reiseziel auch Istanbul, doch leider war Hertha schon eine Stunde früher abgeflogen.

Dann bemerkten auch die Flughafen-Mitarbeiter nicht, dass zwei Mann weniger die Bordkarten-Kontrolle vor dem Einstieg passierten, als eingecheckt waren. Und bei Hertha bemerkten sie es nicht, weil bei Flügen nicht abgezählt wird. Kontrolliert wird nur bei Busfahrten. Den restlichen Profis fiel auch im Warteraum nicht auf, dass zwei von ihnen fehlten.

Als noch niemand den Zugang aus Mönchengladbach und seinen Kollegen aus den USA vermisste, saßen die beiden schon im Flugzeug nach Frankfurt. Von dort aus ging es weiter nach Istanbul, wo sie auf geradem Wege Jürgen Röber in die Arme liefen. Der Hertha-Trainer setzte zur Begrüßung jenen Blick auf, mit dem man gemeinhin Gerichtsvollzieher empfängt. "Das erste Versäumnis liegt bei den Spielern, auch wenn es eine Aneinanderreihung unglücklicher Umstände war", sagte Manager Dieter Hoeneß.

Die Kollegen der beiden Nachzügler waren zuvor sehr viel warmherziger empfangen worden. Kameraleute kämpften mit hartem Ellenbogeneinsatz, um Ali Daei vor die Linse zu bekommen, und Falko Götz verfolgten sie, als wäre Claudia Schiffer aufgetaucht. Götz, jetzt Amateur-Trainer bei Hertha, spielte mal zwei Jahre lang für Galatasaray, und in Instanbul ist er noch eine große Nummer. Vor dem Flughafen wartete eine Luxuslimousine deutscher Herkunft auf Manager Hoeneß, nur Autogrammjäger, die blieben die Ausnahme.

Von diesen Szenen bekam ein BoulevardJournalist aus Berlin allerdings nichts mit. Er saß derweil ein wenig nervös bei der Passkontrolle türkischen Polizisten gegenüber. Die beiden, die ließen den Fluggast nicht durch. Dabei hätte der Mann nicht mal einen Reisepass vorlegen müssen. Ein deutscher Personalausweis hätte genügt. Aber ein deutscher Führerschein als Dokument, das war der türkischen Einreisebehörde dann doch ein bisschen zu wenig.

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