• Warum Schalke anders bleibt Olaf Thon über seinen Abschied und die Identität seines Klubs

Sport : Warum Schalke anders bleibt Olaf Thon über seinen Abschied und die Identität seines Klubs

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Herr Thon, wenn mit Ihnen jetzt der letzte Urschalker geht, bleibt dann die Identität des Klubs auf der Strecke?

Fraglos geht nun eine Ära zu Ende. Auch Jiri Nemec verlässt ja den Club. Von den Uefa-Cup-Siegern 1997 ist nur noch Marc Wilmots dabei. Sorgen um die Identität mache ich mir aber nicht. Schalke wird immer ein Verein zum Anfassen bleiben. Hier gibt es kein Geheimtraining. Jeder Spieler steht den Fans für Autogramme zur Verfügung. Es sind Kleinigkeiten, die uns noch immer von anderen Spitzenklubs unterscheiden.

Sie waren ja beim FC Bayern. Was haben Sie in München gelernt?

Vor allem den Umgang mit den Medien. 1991/92, als wir nur Zehnter wurden, musste ich viel einstecken. Weil ich der Kopf der Mannschaft war, hatte sich „Bild" auf mich eingeschossen und mir dreimal hintereinander die Note 6 gegeben. Damals habe ich begonnen, meine Außendarstellung zu überprüfen und habe vielleicht früher als andere begriffen, wie wichtig es ist, sich nicht zu verschließen.

Dabei waren Sie schon vor Ihrer Zeit beim Rekordmeister ein erfahrenener Fußballprofi.

Ich hatte bereits als 17-Jähriger das Glück, dass man mir großes Vertrauen entgegen gebracht hat. Mein Trainer Diethelm Ferner hat mich aufgestellt, egal was passierte. So habe ich schon in meiner ersten Saison alle Spiele mitgemacht. Das hat mich so geprägt, dass ich schon mit 20 Kapitän war.

Ist so etwas heute noch denkbar?

Nein, die Veränderungen sind schon gewaltig. Der Druck auf die jungen Spieler ist heute größer. Man steht unter ständiger Beobachtung. Außerdem gab es früher nur einen oder zwei Ausländer pro Team, die Chancen für einen Nachwuchsspieler waren einfach größer. Mein großes Ziel wäre es deshalb, heute noch einmal das zu schaffen, was dem Verein seit 20 Jahren nicht mehr gelungen ist …

… seit Sie selbst Profi auf Schalke wurden …

… genau, ich würde gerne einen Spieler aus der eigenen Jugend nahtlos an die Profis heranführen und ihn zum Stammspieler auf Schalke machen, so wie es den Bayern mit Owen Hargreaves gelungen ist. Seit mir hat das hier keiner mehr geschafft.

Hören wir da schon den Trainer Thon?

Es geht mir darum, dem Nachwuchs etwas zu vermitteln. In welcher Position, das wird sich zeigen.

Wenn Sie auf Ihre Karriere zurückblicken. Was hätten Sie gerne anders gehabt?

Ich bin wunschlos glücklich.

Vielleicht besseres Genmaterial und damit weniger Verletzungen?

Okay, so wie Lothar Matthäus, der schwerste Verletzungen immer schnell weggesteckt hat. Lothar hatte allerdings auch mehr Frauen als ich. Vielleicht hat es bei ihm einfach nur daran gelegen.

Das Gespräch führte Andreas Kötter.

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