Sport : Warum? Warum nicht! - Die Probleme des Basketballprofis Terry Dehere in Berlin

Benedikt Voigt

Es gibt Tage, an denen fühlt sich Terry Dehere einsam in Berlin. "Dann fragst du dich: warum?", sinniert der US-amerikanische Basketballspieler. "Aber du denkst auch: warum nicht!" Vor sechs Wochen kam der 28-Jährige in die Stadt, deren Straßennamen er nicht lesen kann. Was nicht tragisch ist, denn Dehere bleibt ohnehin am liebsten zu Hause. Mit seinem Satellitenfernseher und englischsprachigen Filmen schlägt er die Zeit tot, ansonsten beschränkt er sich in seiner Freizeit auf Telefonieren und Schlafen. "Hört sich langweilig an, aber ich bin auch ein langweiliger Typ." Doch es gibt in seinem Leben auch die anderen Tage, die spannenden. Dann ist "game-night".

Heute ist wieder so weit. Wenn Alba Berlin in der Max-Schmeling-Halle (20 Uhr) im Europaligaspiel gegen ZSKA Moskau den Einzug in die Play-offs sicherstellen will, ist das wieder einer der Höhepunkte von Deheres bisherigem Berlin-Aufenthalt. "Basketball ist überall auf der Welt gleich", findet der Profi, "du spielst, um zu gewinnen." Weil ihm diese Nächte so viel Spaß machen, wünscht er sich mehr davon. "Am besten drei Spiele oder mehr pro Woche." Aus der US-amerikanischen Profiliga NBA ist er 82 reguläre Begegnungen pro Saison gewohnt.

Auf dem Spielfeld hat sich Dehere in die Mannschaft erfolgreich eingefügt. Der Aufbauspieler mit den spektakulären No-Look-Pässen und den hohen Dribblings avancierte in den letzten drei Partien zu Albas Topp-Scorer. Zwar hatte ihn Svetislav Pesic nach der Europaligapartie in Treviso kritisiert ("Wenn er so weiter spielt, verlieren wir jedes Spiel"), doch inzwischen will der Trainer das nicht gesagt haben. "Wir sind sehr zufrieden mit Terry", erklärt Pesic fünf Tage später, "wir brauchen seine Art zu spielen." Dabei sieht sich der Ersatzmann für den entlassenen Frankie King selbst durchaus kritisch. "Ich bin noch nicht zufrieden mit mir", erzählt Dehere, "ich darf nicht versuchen, alles in einem Angriff zu machen. Ich muss mich ein bisschen zurücknehmen, und die Situation besser lesen."

Von Berlin hat Dehere noch nicht viel gesehen. "Ich weiß, wo Ost und West war und war auch einmal bei einem Rest der Mauer." Seine Freundin will ihn Ende des Monats besuchen, von seinen Verwandten wird sich aber so schnell niemand blicken lassen. "Die sind es gewohnt, dass ich weg bin", sagt Dehere, der sechs Jahre lang in der NBA spielte. "Eigentlich ist es auch kein Unterschied, ob du 300 oder 3000 Meilen entfernt bist - du kannst trotzdem nicht nach Hause." Sein bester Freund in New Jersey führt während seiner Abwesenheit die Immobilienfirma, die er besitzt. Im Sommer sponsert Albas Aufbauspieler eine eigene Basketball-Liga: Die Terry-Dehere-Summer-League. Die in drei Klassen unterteilte Liga (Männer, Schüler, Kinder) ist ihm ein besonderes Anliegen. "Ich möchte Menschen, die einen harten Job haben, die Gelegenheit geben, sich zu erholen." Den Schülern gibt er auch Lektionen über "Das Leben im Allgemeinen". Dann erzählt er ihnen, dass sie "die besten Menschen sein sollen, wie nur möglich".

Eigentlich hatte er in dieser Saison sein siebtes Jahr in der NBA spielen wollen, weil aber die Angebote ausblieben, muss er sich nun über "USA Today", Fernsehen oder seinem Freund Malik Sealy von Minnesota Timberwolves Informationen besorgen. Noch immer schlägt sein Herz für die NBA, weshalb er sich nur schlecht vorstellen kann, bei Alba Berlin eine Saison dran zu hängen. "Man soll zwar niemals nie sagen", erklärt Dehere, "aber wann beginnt hier die Vorbereitung, August?" Zu kurze Pause, findet Dehere, in der Zeit wolle er relaxen und bei der Familie sein. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich im August Basketball spiele." Es sieht so aus, als müsse Alba im Sommer erneut auf Spielersuche gehen.

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