Sport : Warum will keine so spielen wie die Steffi?

TAGESSPIEGEL : Herr Schur, die German Open sind das wichtigste deutsche Turnier im Damenbereich und damit auch so etwas wie die Schaubühne der deutschen Leistungsstärke.Leider ist von den Deutschen aber jetzt nicht mehr viel zu sehen.

SCHUR : Der Anfang war sehr gut, wir hatten zehn Damen im Hauptfeld.Im letzten Jahr waren es nur vier.Gut, da waren Steffi Graf, Anke Huber und Barbara Rittner verletzt, trotzdem war der Start erfreulich dieses Jahr.Vor allem, weil sich aus dem Nachwuchsbereich drei Spielerinnen qualifiziert haben.Es haben auch fast alle ganz ordentlich gespielt.Nur stoßen sie bei einem so extrem gut besetzten Turnier schnell an ihre Leistungsgrenze.

TAGESSPIEGEL : Warum ist denn die Leistungsgrenze bei den deutschen Spielerinnen so niedrig?

SCHUR : Also, bei Steffi ist die Leistungsgrenze sicher nicht sonderlich niedrig.Anke ist leider derzeit in einem sehr tiefen Loch, bedingt durch Niederlagen kombiniert mit ständigen Verletzungen.Es ist ein Teufelskreis, sie findet nicht ihren Rhythmus.

TAGESSPIEGEL : Schafft sie es noch einmal?

SCHUR : Wenn man sieht, wie sie trainiert und wie fit sie ist, kann es eigentlich nicht angehen, daß sie es nicht schafft.Ihre Trainingsleistungen sind exzellent.Sie ist so viel besser als andere, die unter den ersten 20 stehen.Wenn sie jetzt mal eine Weile nur von Turnier zu Turnier spielen kann, von Verletzungen verschont bleibt und sich die Zeit gibt, schafft sie es.

TAGESSPIEGEL : Also gut, aber was danach kommt ...

SCHUR : Barbara Rittner hat sich wieder in die Top 50 vorgekämpft, gegen Patty Schnyder kann man ja verlieren.Unsere beiden größten Nachwuchshoffnungen sind Andrea Glass und Marlene Weingärtner.Andrea war am Wochenende krank.Sie ist ansonsten sehr konstant, wird sich in die ersten 20 bis 30 vorspielen.Marlene hat leider sehr schlecht gespielt.Aber sie ist talentiert und hat im nächsten Vierteljahr die Chance, sich in die Top 50 zu spielen, weil sie keine Punkte verteidigen muß.Unter denen, die danach noch kommen, sind sehr viele, die nicht hundertprozentig professionell arbeiten.



TAGESSPIEGEL : Woran liegt das? Es hat doch mit Steffi Graf und Anke Huber leuchtende Vorbilder gegeben.

SCHUR : Da wird eine Weile gut gearbeitet, dann werden mal Turniere gespielt, dann lassen sie mal wieder nach.Deswegen verbessern sie auch ihre Ranglistenposition nicht.Da sind einige Spielerinnen dabei, die wesentlich größere Möglichkeiten haben.Es ist auch erstaunlich, daß wir keine einzige haben, die versucht, annähernd ähnlich zu spielen wie Steffi, mit einer dominanten Vorhand, einem sehr guten Slice.Wir haben auch keine, die körperlich richtig fit ist.Um richtig gut zu werden, braucht man nicht nur Talent und Förderung durch den DTB.Dazu braucht man auch Biß.

TAGESSPIEGEL : Kommt denn keine nach, die den nötigen Biß hat?

SCHUR : Doch, die Julia Abe zum Beispiel.Sie ist eine Spät-Einsteigerin, hat erst ihr Abitur gemacht.Sie hat sich mit viel Biß, Engagement und Eigeninvestition in eine Position gespielt, in der sie jetzt langsam nach vorn schauen kann.Wir unterstützen sie jetzt, zum Beispiel mit der Wild card hier und bei anderen Turnieren, und wenn sie so weitermacht, wird sie sich ein gutes Stück nach vorne spielen können.Nicht ganz nach vorne, das ist klar.Aber wenn das alle so machen würden, dann hätten wir schon eine ganze Reihe Spielerinnen, die weiter wären.

TAGESSPIEGEL : Gibt es denn wenigstens bei den ganz jungen Mädchen Hoffnung? Gibt es da eine, die mal wieder eine größere Rolle spielen könnte?

SCHUR : Wir haben einige jetzt, die sind zwischen 14 und 16, die jetzt in der Jugend-Weltrangliste weit vorn liegen.Zum Beispiel die Scarlett Kotschwara aus München, die ist erst 14.Sie ist sicherlich unser größtes Talent.Die spielt schon auf einem Niveau, wie es hier in der Qualifikation gespielt wird.

TAGESSPIEGEL : Sie haben vor wenigen Wochen mit dem Fedcup-Team den Aufstieg in die Weltgruppe geschafft.Hat das überhaupt Perspektive im Moment?

SCHUR : In den Fedcup wird immer hineinprojiziert, er sei der Spiegel des deutschen Damentennis, aber das ist ja nicht richtig.Der findet ein oder zweimal im Jahr statt, und man kann dafür nicht viel aufbauen.Wenn Steffi und Anke spielen, ist alles toll, wenn nicht, müssen wir halt gucken, was wir draus machen können.Dennoch war der Sieg natürlich sehr hilfreich, denn er gibt uns ein Jahr Ruhe.

TAGESSPIEGEL : Warum gibt es im Fedcup nicht so eine Begeisterung wie im Davis Cup?

SCHUR : Weil er nicht die Tradition hat.Das ist nicht nur in Deutschland so.Nur wenn zum Beispiel irgendwo Fedcup mit einer neuen Spitzenspielerin stattfindet, kommen viele Zuschauer.In der Schweiz waren letztes Jahr 10 000 Zuschauer bei Martina Hingis.Ich bin der Meinung, es müßte ein Modus gefunden werden, der allen gerecht wird.Ich fand die Art, wie vor ein paar Jahren der Fedcup in einer Woche in Frankfurt gespielt wurde, am besten.

TAGESSPIEGEL : Befürworten Sie, daß mehr Damen- und Herrenturniere gemeinsam stattfinden?

SCHUR : Ja.

TAGESSPIEGEL : Aber die WTA ist davon nicht begeistert.

SCHUR : Inzwischen ist es ja so, daß die Damen-Tour populärer ist als die Herren-Tour.Ich denke aber, daß ein gemeinsames Turnier dem DTB auch viel bessere Möglichkeiten der Vermarktung geben würde. TAGESSPIEGEL : Herr SCHUR , die German Open sind das wichtigste deutsche Turnier im Damenbereich und damit auch so etwas wie die Schaubühne der deutschen Leistungsstärke.Leider ist von den Deutschen aber jetzt nicht mehr viel zu sehen.

SCHUR : Der Anfang war sehr gut, wir hatten zehn Damen im Hauptfeld.Im letzten Jahr waren es nur vier.Gut, da waren Steffi Graf, Anke Huber und Barbara Rittner verletzt, trotzdem war der Start erfreulich dieses Jahr.Vor allem, weil sich aus dem Nachwuchsbereich drei Spielerinnen qualifiziert haben.Es haben auch fast alle ganz ordentlich gespielt.Nur stoßen sie bei einem so extrem gut besetzten Turnier schnell an ihre Leistungsgrenze.

TAGESSPIEGEL : Warum ist denn die Leistungsgrenze bei den deutschen Spielerinnen so niedrig?

SCHUR : Also, bei Steffi ist die Leistungsgrenze sicher nicht sonderlich niedrig.Anke ist leider derzeit in einem sehr tiefen Loch, bedingt durch Niederlagen kombiniert mit ständigen Verletzungen.Es ist ein Teufelskreis, sie findet nicht ihren Rhythmus.

TAGESSPIEGEL : Schafft sie es noch einmal?

SCHUR : Wenn man sieht, wie sie trainiert und wie fit sie ist, kann es eigentlich nicht angehen, daß sie es nicht schafft.Ihre Trainingsleistungen sind exzellent.Sie ist so viel besser als andere, die unter den ersten 20 stehen.Wenn sie jetzt mal eine Weile nur von Turnier zu Turnier spielen kann, von Verletzungen verschont bleibt und sich die Zeit gibt, schafft sie es.

TAGESSPIEGEL : Also gut, aber was danach kommt ...

SCHUR : Barbara Rittner hat sich wieder in die Top 50 vorgekämpft, gegen Patty Schnyder kann man ja verlieren.Unsere beiden größten Nachwuchshoffnungen sind Andrea Glass und Marlene Weingärtner.Andrea war am Wochenende krank.Sie ist ansonsten sehr konstant, wird sich in die ersten 20 bis 30 vorspielen.Marlene hat leider sehr schlecht gespielt.Aber sie ist talentiert und hat im nächsten Vierteljahr die Chance, sich in die Top 50 zu spielen, weil sie keine Punkte verteidigen muß.Unter denen, die danach noch kommen, sind sehr viele, die nicht hundertprozentig professionell arbeiten.



TAGESSPIEGEL : Woran liegt das? Es hat doch mit Steffi Graf und Anke Huber leuchtende Vorbilder gegeben.

SCHUR : Da wird eine Weile gut gearbeitet, dann werden mal Turniere gespielt, dann lassen sie mal wieder nach.Deswegen verbessern sie auch ihre Ranglistenposition nicht.Da sind einige Spielerinnen dabei, die wesentlich größere Möglichkeiten haben.Es ist auch erstaunlich, daß wir keine einzige haben, die versucht, annähernd ähnlich zu spielen wie Steffi, mit einer dominanten Vorhand, einem sehr guten Slice.Wir haben auch keine, die körperlich richtig fit ist.Um richtig gut zu werden, braucht man nicht nur Talent und Förderung durch den DTB.Dazu braucht man auch Biß.

TAGESSPIEGEL : Kommt denn keine nach, die den nötigen Biß hat?

SCHUR : Doch, die Julia Abe zum Beispiel.Sie ist eine Spät-Einsteigerin, hat erst ihr Abitur gemacht.Sie hat sich mit viel Biß, Engagement und Eigeninvestition in eine Position gespielt, in der sie jetzt langsam nach vorn schauen kann.Wir unterstützen sie jetzt, zum Beispiel mit der Wild card hier und bei anderen Turnieren, und wenn sie so weitermacht, wird sie sich ein gutes Stück nach vorne spielen können.Nicht ganz nach vorne, das ist klar.Aber wenn das alle so machen würden, dann hätten wir schon eine ganze Reihe Spielerinnen, die weiter wären.

TAGESSPIEGEL : Gibt es denn wenigstens bei den ganz jungen Mädchen Hoffnung? Gibt es da eine, die mal wieder eine größere Rolle spielen könnte?

SCHUR : Wir haben einige jetzt, die sind zwischen 14 und 16, die jetzt in der Jugend-Weltrangliste weit vorn liegen.Zum Beispiel die Scarlett Kotschwara aus München, die ist erst 14.Sie ist sicherlich unser größtes Talent.Die spielt schon auf einem Niveau, wie es hier in der Qualifikation gespielt wird.

TAGESSPIEGEL : Sie haben vor wenigen Wochen mit dem Fedcup-Team den Aufstieg in die Weltgruppe geschafft.Hat das überhaupt Perspektive im Moment?

SCHUR : In den Fedcup wird immer hineinprojiziert, er sei der Spiegel des deutschen Damentennis, aber das ist ja nicht richtig.Der findet ein oder zweimal im Jahr statt, und man kann dafür nicht viel aufbauen.Wenn Steffi und Anke spielen, ist alles toll, wenn nicht, müssen wir halt gucken, was wir draus machen können.Dennoch war der Sieg natürlich sehr hilfreich, denn er gibt uns ein Jahr Ruhe.

TAGESSPIEGEL : Warum gibt es im Fedcup nicht so eine Begeisterung wie im Davis Cup?

SCHUR : Weil er nicht die Tradition hat.Das ist nicht nur in Deutschland so.Nur wenn zum Beispiel irgendwo Fedcup mit einer neuen Spitzenspielerin stattfindet, kommen viele Zuschauer.In der Schweiz waren letztes Jahr 10 000 Zuschauer bei Martina Hingis.Ich bin der Meinung, es müßte ein Modus gefunden werden, der allen gerecht wird.Ich fand die Art, wie vor ein paar Jahren der Fedcup in einer Woche in Frankfurt gespielt wurde, am besten.

TAGESSPIEGEL : Befürworten Sie, daß mehr Damen- und Herrenturniere gemeinsam stattfinden?

SCHUR : Ja.

TAGESSPIEGEL : Aber die WTA ist davon nicht begeistert.

SCHUR : Inzwischen ist es ja so, daß die Damen-Tour populärer ist als die Herren-Tour.Ich denke aber, daß ein gemeinsames Turnier dem DTB auch viel bessere Möglichkeiten der Vermarktung geben würde.

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