Sport : Was auf die Geständnisse folgt

Schulterzucken bei den Fahrern im Ausland, Konsequenzen für Radrennen in Deutschland

Welche Reaktionen haben die Geständnisse im internationalen Radsport hervorgerufen?



In erster Linie Unverständnis und demonstratives Desinteresse. So ist der Spitzenreiter des Giro d’Italia verärgert. „Ich verstehe nicht, wieso die Epo-Doping gestehen. Das scheint in Mode zu kommen. Sie sollten besser still sein, anstatt über alte Dinge zu sprechen, die elf Jahre zurückliegen“, sagte Danilo Di Luca, der nach der gestrigen Etappe die zweitgrößte Rundfahrt der Welt anführt. Die Zeitung „La Gazetta dello Sport“, Organisator der Rundfahrt, berichtete gestern auf sechs Seiten über den Giro und nur auf einer Seite über die Doping-Beichten in Deutschland.

In Spanien läuft derzeit die Katalonien-Rundfahrt. Bei der schwersten Etappe war Oscar Sevilla am schnellsten. „Man kann auch sauber gewinnen“, sagte der Spanier. Sevilla war wie Jan Ullrich 2006 wegen seiner Verwicklung in die „Operacion Puerto“ bei der Tour de France 2006 vom T-Mobile-Team zunächst suspendiert und später entlassen worden. „Der Radsport stirbt, niemand glaubt mehr an ihn“, sagte Sevilla, der bei der zweitklassigen Mannschaft Relax- Gam, die als Auffangbecken für belastete Fahrer gilt, einen Job gefunden hat.

Weil das Team wie auch die Mannschaften Tinkoff und L.P.R. in der Radsportszene des Dopings verdächtigt werden, wurden sie nicht zur Bayern-Rundfahrt in der nächsten Woche nach Deutschland eingeladen. Gegen die Teilnahme von Erik Zabel hat der Rundfahrt-Leiter Ewald Strohmeier dagegen nichts einzuwenden. Auch bei der „Nacht von Hannover“ am 3. August soll Zabel an den Start gehen dürfen.



Gibt es Auswirkungen auf die kommenden Rennen in Deutschland?

Der Bayerische Rundfunk will von der Bayern-Rundfahrt nur noch eingeschränkt berichten. Die Stadt Stuttgart bekräftigte gestern, dass sie an der Austragung der Weltmeisterschaften im September festhält. „Für den Radsport sind diese Geständnisse wie auch das frühere Gestammel von Jan Ullrich eine Katastrophe“, sagte Sportbürgermeisterin Susanne Eisenmann (CDU). „Die WM werden wir aber nicht zurückgeben.“ Es sei aber nicht auszuschießen, dass einige Sponsoren ihre Zusagen zurücknähmen.Das erste kleinere Rennen wurde gestern abgesagt. Die für den 3. August geplante „City-Night“ in Hamm fällt aus. „Wir wollen damit ein Zeichen gegen Doping setzen“, sagte Organisator Michael Erkeling. Auch der zum ersten Mal geplante „Messe-Grand-Prix“ in Karlsruhe am 1. August soll aller Voraussicht nach gestrichen werden. Viele deutsche Renn-Veranstalter befürchten wegen des erlittenen Imageschadens finanzielle Einbußen. Das zur höchsten Rennserie Pro Tour gehörende Cyclassics in Hamburg soll aber wie geplant am 19. August stattfinden. „Mittelfristig kann ich Konsequenzen nicht ausschließen, vielleicht werden wir den Breitensport mehr in den Vordergrund rücken“, sagte Veranstalter Michael Hinz.



Wie sieht es für die Tour de France und die verdächtigten Fahrer aus?

Tour-Direktor Christian Prudhomme vergleicht das Ende des Schweigens der ehemaligen Telekom-Fahrer mit dem Fall der Berliner Mauer. Er will sich aber nicht lange mit der Vergangenheit aufhalten. „Es geht darum, diese wunderbare Sportart zu verteidigen.“ Dabei hat Prudhomme immer noch mit dem Gewinner des Vorjahres zu tun. Der positiv auf Doping getestete Floyd Landis wehrt sich derzeit in den USA in einer großen öffentlichen Gerichtsshow dagegen, dass ihm sein Titel aberkannt und der zweitplatzierte Oscar Pereiro zum Sieger erklärt wird. In den Siegerlisten der Tour wurde Landis’ Name bereits gestrichen.

Die Anti-Doping-Kommission des italienischen Olympischen Komitees hat gegen den geständigen Dopingsünder Ivan Basso eine Sperre von 21 Monaten beantragt. Die Disziplinarkommission des italienischen Radsportverbandes muss nun über das Strafmaß entscheiden. Basso hatte zugegeben, Blutdoping für die Tour 2006 geplant zu haben. Er will jedoch nie tatsächlich gedopt haben. Eine ihm angebotene Kronzeugenregelung gegen eine umfangreiche Aussage hatte Basso ausgeschlagen. klapp

Wie im Sport gedopt wird: Seite 2

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