Sport : Was Bayern braucht

Nach Ballacks Weggang fehlt ein neues System

Mathias Klappenbach

Berlin - Sicherheitshalber wird Michael Ballack jetzt schlechter gemacht, als er ist. Er sei nie der Führungsspieler gewesen, den man sich bei Ballacks Verpflichtung vor vier Jahren erhofft hatte, verlautbaren die Verantwortlichen des FC Bayern seit einigen Wochen regelmäßig. Der neben Oliver Kahn einzige internationale Star verlässt den Verein nach einer Saison, an deren Ende die Münchner zumindest nach außen hin keinen klaren Plan erkennen lassen, wie sie Ballack ersetzen wollen. Heute im Bundesligaspiel gegen den VfB Stuttgart ist er gelb-gesperrt, weshalb die Bayern heute die Situation der kommenden Saison proben können. Nach dem gestrigen Erfolg des Hamburger SV können sie jedoch frühestens am Samstag Deutscher Meister werden.

Vielleicht werden die Leistungen des Kapitäns der deutschen Nationalmannschaft auch deshalb heruntergeredet, weil die Münchner fürchten, im nächsten Jahr keinen adäquaten Ersatz vorweisen zu können. Zudem überdecken die Herabstufung von Ballack zum „kopfballgefährlichsten Mittelfeldspieler des FC Bayern“ durch den Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge und dessen wiederholte Forderung nach einem neuen Spieler, „der Führungsqualitäten“ hat, ein anderes Problem.

Der Fehler im System heißt vor allem: mangelnde Kreativität. 478 Minuten stand der 35 Jahre alte Mehmet Scholl in dieser Saison in der Bundesliga auf dem Platz, etwas mehr als fünf komplette Spiele. Aber wenn das oft statische Spiel des FC Bayern Auflockerung gebrauchen konnte, wurde Scholl eingewechselt. Seine erfrischenden Kurzauftritte bei den positionstreu und starr vor sich hinspielenden Bayern haben die Fans in Deutschland dermaßen begeistert, dass viele jetzt fordern, ihn als Joker bei der Weltmeisterschaft einzusetzen.

Der Körper des Veteranen macht 90 Minuten Profifußball nicht mehr mit, aber derzeit haben die Münchner keinen anderen Spieler, der sich innerhalb des Systems von Trainer Felix Magath so zu bewegen weiß, dass etwas Schönes dabei herauskommt. Der formschwache Reservist Bastian Schweinsteiger und der brasilianische Nationalspieler Zé Roberto könnten das. Doch obwohl er seit vier Jahren bei Bayern ist, wirkt Zé Roberto manchmal wie ein Außenseiter, der sich Freunde wünscht, die mit ihm spielen. Wie vor einem Jahr überlegt Zé Roberto nun erneut, ob er seinen Vertrag beim Rekordmeister verlängern soll.

Normalerweise verlässt man den FC Bayern nur, wenn man in der zweiten Reihe keine Chance hat oder seine Karriere beendet, so wie in diesem Sommer Bixente Lizarazu und wahrscheinlich auch Jens Jeremies. Es ist eine Ausnahme, dass ein großer internationaler Verein wie Chelsea sich wie bei Michael Ballack um einen Spieler der Bayern bemüht. Ob Pizarro, Makaay, Demichelis, Hargreaves oder auch Lucio: Die Münchner haben keinen Spieler, dessen internationale Wertschätzung so groß ist, dass andere Klubs mit größeren finanziellen Möglichkeiten ihn unbedingt verpflichten wollten.

Für die neuen Spieler, mit denen wieder der Angriff in der Champions League gestartet werden soll, gilt ein altes Anforderungsprofil. Wie zuletzt sind die Münchner vor allem an Spielern wie Schalkes Brasilianer Lincoln oder Hamburgs Siegertyp Daniel van Buyten interessiert, die nur in der im internationalen Vergleich schwächelnden Bundesliga etabliert sind. Zwar werden nebenbei auch größere Namen wie der des Argentiniers Juan Riquelme gehandelt. Nur über ein variableres, offensiveres Spielsystem wird nicht diskutiert. Dabei fehlt bei Standardsituationen bald der beste Kopfballspieler.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben