Sport : Was Bayern und Chelsea eint

Raphael Honigstein

Dauersieger haben wenig Freunde. Felix Magath kann José Mourinhos Missmut nach dem Gewinn der zweiten Meisterschaft in Folge wohl verstehen, auch er ist ja zum Erfolg verdammt. Der Bayern-Trainer steht in seinem zweiten Amtsjahr kurz vor dem Gewinn des zweiten Doubles, die Kritiken aber sind verheerend: spielerische Defizite, Fantasielosigkeit und mangelnde internationale Klasse werden seiner Mannschaft vorgeworfen. Chelsea und Bayern sind beide im Achtelfinale der Champions League ausgeschieden, das hat für viele die nationalen Erfolge relativiert: die Triumphe in der Heimat werden in erster Linie auf die Schwäche der Konkurrenten zurückgeführt. Dabei sind Chelsea und Bayern, wie die Statistik zeigt, nicht nur viel besser als ihre Gegner. Sie sind auch sehr viel besser als alle anderen Meister zuvor. Die Engländer erreichten mit 2,5 Punkten pro Spiel einen neuen Premier-League-Rekord, die Münchner haben durchschnittlich 2,25 Punkte eingefahren, auch das sucht in der Geschichte der Liga seinesgleichen.

Dass beide Teams nicht als die Übermannschaften gewürdigt werden, die sie rein faktisch gesehen sind, hat in erster Linie ästhetische Gründe: Es sind die Mittel des Erfolges, die Anstoß erwecken. Chelsea, der Verein des Öltycoons Roman Abramowitsch, steht erstens im Verdacht, die ersten Titel seit 50 Jahren einfach gekauft zu haben, und gewinnt zweitens mit dem Egomanen Mourinho auf der Bank keine Sympathien. Bei Bayern stört wie ehedem das kühle, oft sehr statisch wirkende System, das überwiegend von Kraft und cleverer Ausnutzung von Standards lebt. Chelsea spielt nicht sehr anders, zwangsläufig aber etwas schneller, englischer. Und die Spieler sind teurer.

Schönheit ist auch für Mourinho kein entscheidendes Kriterium. Michael Ballack wird geholt, weil er gut ins Kollektiv passt. Nicht mehr, nicht weniger.

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