Was bleibt von der Frauen-WM in Kanada : Viel Arbeit und bellende Hunde

Die Fußball-WM in Kanada ist vorbei. Was ist geblieben? Die fünf Erkenntnisse des Turniers.

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Die US-Amerikanerinnen sind ein würdiger Weltmeister. Foto: AFP
Die US-Amerikanerinnen sind ein würdiger Weltmeister.Foto: AFP

Das beste Team hat gewonnen

Wie die US-Amerikanerin Carli Lloyd im Finale gegen Japan in den Strafraum stürmte und per Außenrist den Ball ins Tor beförderte, hatte schon was. Überhaupt war das WM-Finale reich an fußballerisch hochwertigen Momenten. Und in den US-Amerikanerinnen hatte dieses Turnier einen würdigen Sieger gefunden. Der glanzvolle Auftritt beim 5:2 (4:1)-Sieg im Finale mit einer wunderbar aufspielenden Lloyd stand aber nicht stellvertretend für den Gesamtauftritt. Bis zum Halbfinale zeichneten sich die Amerikanerinnen durch ökonomisches Spiel aus: Sie taten genau so viel, wie sie tun mussten. Im letzten Gruppenspiel gegen Nigeria begnügten sie sich mit einem knappen 1:0, weil es genügte. Gegen Deutschland und mehr noch im Finale gegen Japan verabschiedeten sie sich von ihrem Minimalismus und spielten auch dank einer offensiver positionierten Carli Lloyd groß auf. Die USA agierten, wie es große Turniermannschaften tun: Sie schleppten sich anfangs ein wenig durch, behielten sich das Beste aber für den Schluss auf.

Auf Deutschland kommt viel Arbeit zu

Den Deutschen wird oft nachgesagt, Turniermannschaften aufzubieten. In Kanada aber starteten sie einigermaßen furios, nahmen es sich sogar heraus, trotz eines zweistelligen Sieges über die Chancenverwertung zu klagen. Auch der 4:1-Sieg im Achtelfinale gegen Schweden beeindruckte. Als es dann aber gegen Frankreich, die USA oder England ging, lief nicht mehr viel zusammen, in spielerischer, in taktischer, vor allem aber in läuferischer Hinsicht. Bundestrainerin Neid fand laut eigener Aussage Spielerinnen in „katastrophalem Zustand“ vor. Damit wollte sie wohl auch zum Ausdruck bringen, dass die Bundesligatrainer, die sie so hart angegangen waren, vor ihrer eigenen Haustüre kehren sollen. Turbine Potsdams Trainer Bernd Schröder, nicht verlegen um kernige Aussagen, bemühte daraufhin das Bild von einem „in der Ecke sitzenden Hund“, der anfängt zu bellen, wenn jemand auf ihn losgeht. Neid wiederum richtete nun aus: „Ich mache jetzt erst einmal Urlaub, den habe ich mir verdient.“ Einer wie Schröder dürfte das anders sehen. Wie auch immer der Streit ausgeht – die WM in Kanada muss Folgen haben für die Nationalmannschaft.

Silvia Neid steht nach dem Turnier mehr denn je unter Druck. Foto: dpa
Silvia Neid steht nach dem Turnier mehr denn je unter Druck.Foto: dpa

Der Fußball in Kanada war mäßig

Dieses atemberaubende Spiel der US-Amerikanerinnen im Finale wird vielen in Erinnerung bleiben. Ein würdiger Abschluss, heißt es oft nach einem Finale. Beim WM-Turnier in Kanada war das Finale aber mehr ein hochtrabender Abschluss, einer, der über das hinwegtäuschte, was tatsächlich fehlte: fußballerische Qualität. Dass der Frauenfußball sich weiterentwickelt, daran besteht kein Zweifel. Er wird immer schneller und robuster. In Kanada aber wurden die Zuschauer, speziell in den Vorrundenspielen, nur selten Zeuge davon. Dies dürfte weniger an den Spielerinnen als vielmehr an den äußeren Umständen gelegen haben. Siehe folgender Punkt.

Die Unterschiede sind zu groß

Ein Szene stand wie kaum eine andere für das große Problem dieser Weltmeisterschaft. Es zeigte die deutsche Abwehrchefin Annike Krahn, wie sie im Spiel gegen die Elfenbeinküste der am Boden liegenden Ivorerin Ines Nrehy die Krämpfe aus den Waden schüttelte. Dabei war Nrehy erst in der zweiten Halbzeit eingewechselt worden, die Kräfte aber langten trotzdem nicht. In jeglicher Hinsicht langte es nicht für die Elfenbeinküste. Es war eine Demütigung und Wasser auf die Mühlen derer, die dem Frauenfußball ohnehin abgeneigt sind. Ergebnisse wie diese hat auch der Fußball-Weltverband Fifa zu verantworten. Der beschloss, das Teilnehmerfeld von 16 auf 24 Teams aufzustocken. Für Mannschaften wie Thailand oder eben die Elfenbeinküste kam dies zu früh. Zumal die meisten Favoriten nur das Nötigste taten, um gegen die Entwicklungsländer im Frauenfußball zu bestehen.

Annike Krahn leistet erste Hilfe. Foto: picture alliance / dpa
Annike Krahn leistet erste Hilfe.Foto: picture alliance / dpa

Man kann auf Kunstrasen Fußball spielen

Ein Albtraum sei das, schimpfte die US-Nationalspielerin Abby Wambach. Gemeint war der Kunstrasen, und ein wenig konkreter: das Granulat. Statt auf Rasen wurde bei der WM auf den vielen künstlichen Partikeln gespielt. Diese können bis zu 60 Grad heiß werden und schnell Schürfwunden verursachen. Über kaum ein anderes Thema wurde im Vorfeld der WM so viel diskutiert. Doch schnell gab es andere Themen, weil die befürchteten Verletzungen, die man dem Kunstrasen hätte zuschieben können, ausblieben.

Frankreich, Ausrichter der nächsten Frauen-WM, hat schon einmal angekündigt, dass 2019 die Spiele auf echtem Rasen stattfinden sollen. Auch die Fifa wird das freuen. Die Frauenfußballbeauftragte des Weltverbandes, Tatjana Haenni, monierte die übertriebenen Diskussionen. Es gebe doch mehr zu besprechen. Stimmt, warum war eigentlich Joseph Blatter nicht in Kanada?

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