Sport : Was ist blau und fährt ganz vorn?

Nach Siegen in den ersten beiden Saisonrennen dominiert Renault auch vor dem Großen Preis von Bahrain

Karin Sturm[Manama]

Der dritte Grand Prix, der dritte verschiedene Streckentyp – und wieder das gleiche Bild in der Formel 1: Ganz vorne steht ein blauer Renault. Zum WM-Auftakt in Australien gewann Giancarlo Fisichella, in Malaysia dann Fernando Alonso, und der Spanier ist es auch, der das erste Qualifying beim Großen Preis von Bahrain gewann. Heute, beim Rennen (13.30 Uhr, Liveübertragung bei RTL), ist er der Favorit. „Das ist jetzt die endgültige Bestätigung dafür, dass wir überall gut sind, dass das ganze Paket perfekt passt“, sagte Alonso nach seiner souveränen Vorstellung auf dem Kurs von Manama.

Das Bemerkenswerte an dem Spanier ist, wie sachlich er mit seinem Erfolg umgeht: Mit seinen 23 Jahren könnte Alonso der jüngste Weltmeister in der Formel-1-Geschichte werden. Daheim konnte er sein von Fans belagertes Haus nicht mehr verlassen, auch vor dem Domizil seiner Eltern spielten sich turbulente Szenen ab, „obwohl ich gar nicht dort war, sondern bei einem Freund, und von dort aus im Fernsehen gesehen habe, was da los war. Einfach nur lächerlich.“

Nicht nur vom Starkult um seine Person, auch von einem vermeintlichen „Wunder-Renault“ will Alonso nichts hören. „Das Team war auch letztes Jahr schon stark, aber da war halt Ferrari so unglaublich überlegen“, sagt er. Gewiss, die zwei Siege zu Saisonbeginn hätten den Enthusiasmus bei allen noch mehr gesteigert, „denn wir wollen diese Position unbedingt halten. Aber grundsätzlich ist das nicht neu, wir waren schon immer ein sehr gutes, junges, glückliches Team mit einer sehr guten Arbeitsatmosphäre.“

Nun erklärt sich der Erfolg des Teams nicht allein durch die gute Stimmung. Es sind die technischen Details, die dem R 25 von Renault zur momentanen Überlegenheit verholfen haben. Da ist einmal das Chassis, das die Reifen sehr, sehr sanft behandelt. Dieses Fahrgestell hatte Renault zwar schon in den vergangenen zwei Jahren, aber erst unter dem neuen Reglement in diesem Jahr kommen seine Vorzüge angemessen zur Geltung. Anders als früher müssen jetzt die Reifen das ganze Rennen über halten, da kommt dem Chassis eine ganz neue Bedeutung zu. Auch die Aerodynamik ist perfekt gelungen: Die Franzosen haben ein Auto gebaut, das sehr viel Abtrieb produziert und dadurch in den Kurven gut liegt, gleichzeitig aber auf der Geraden Top-Speed erreicht. Den größten Fortschritt aber hat Renault beim Motor erzielt, der bisherigen Schwachstelle. Das neue Triebwerk soll 30 PS mehr leisten als das alte. Und das bei dem neuen Reglement, das jetzt zwei Wochenenden Laufzeit pro Motor fordert, was viele andere Hersteller zwang, die Leistung ein wenig zu drosseln. Und auch im Elektronikbereich kam man mit den von den Regeln geforderten Einschränkungen, etwa bei der Startautomatik, bestens zurecht. Die Starts der Renault-Fahrer sind in dieser Saison bisher das Maß aller Dinge.

So fürchten Alonso und sein Teamchef Flavio Briatore auch nicht die Konkurrenz des neuen Ferrari: „Es interessiert mich nicht sonderlich, was die anderen machen, das gilt auch für Ferrari. Ich bin ja nicht für Ferrari verantwortlich“, tönt Briatore selbstbewusst. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir die lange Zeit der Ferrari-Dominanz beenden werden.“

Fernando Alonso zweifelt nicht daran, dass der neue Ferrari besser ist als der alte und Weltmeister Michael Schumacher damit wieder konkurrenzfähig sein wird. Aber aus der Ruhe bringt ihn das nicht: „Wir haben die ersten beiden Rennen gewonnen und sind im Moment das Team, das es zu schlagen gilt“, sagt der Spanier. „Die anderen müssen auf uns schauen, nicht wir auf die anderen. Und auch jetzt im Qualifying war ich wieder vor ihm, obwohl ich ja einen kleinen Fehler gemacht habe, der mich Zeit gekostet hat. Ich habe noch Luft.“ So spricht einer, der sich seiner Sache sicher ist.

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