Sport : Was ist von Helmut Schön geblieben?

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Was ist von Helmut Schön geblieben? Der WM-Titel von 1974, die zeitlos unmoderne Schirmmütze und eine Floskel. "Alle können weiterkommen", sagte der Alt-Bundestrainer, wenn mal wieder eine Europapokalrunde ausgelost wurde. Damals spielten deutsche Mannschaften noch gegeneinander im Halbfinale des Uefa-Cups, der noch nicht das Image eines Verlierer-Pokals hatte, und es gab keine Champions League, in der nicht einmal zur Hälfte Champions mitspielen.

Vier Bundesligisten stehen in dieser Saison in der vermeintlichen Königsklasse, und vor dem letzten Spieltag der Vorrunde können tatsächlich alle noch weiterkommen. Bayern München muss gegen Glasgow gewinnen, Borussia Dortmund in Porto, Hertha BSC darf in Chelsea nicht verlieren, einzig Bayer Leverkusen ist darauf angewiesen, dass ein Dritter (Lazio Rom) nicht bei einem Vierten (Dynamo Kiew) verliert.

Das ist, bei aller Kritik an den Auftritten der Bundesligisten, ein Erfolg. Aber um welchen Preis ist er erzielt worden? Dortmund bleibt daheim dreimal in Folge ohne Sieg, Leverkusens Trainer Christoph Daum schimpft öffentlich über die schlechte Arbeitsmoral seiner Profis, Bayern München entschuldigt einen Platzverweis seines Nationalspielers Jeremies mit der Mehrbelastung, Hertha BSC krebst in der Bundesliga auf Platz elf herum. Anders als die Konkurrenz in Italien, Spanien oder England verfügen auch die deutschen Spitzenklubs nicht über die Finanzkraft, Kader mit 30 Topspielern oder mehr zu unterhalten. Das Niveau wird sinken und mit ihm das öffentliche Interesse. Und Helmut Schön wird in Zukunft wohl immer öfter in abgewandelter Form zu zitieren sein: "Alle können ausscheiden."

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