Sport : Was Kameras nicht sehen

Lutz-Michael Fröhlich

erklärt, ob Michael Ballack im Abseits traf 60.Minute im Nürnberger Frankenstadion. Michael Ballack erzielt per Kopf das 2:1 für den FC Bayern, doch die Fernsehbilder zeigen, dass der Treffer nicht hätte zählen dürfen: Ballack stand im Abseits. Später gibt dieser das sogar zu. Hätte Schiedsrichter Michael Weiner den Spieler fragen können, ob er im Abseits stand, Herr Fröhlich?

Ich bin gerade von einem Workshop für Schiedsrichter-Coaches der Junioren-Bundesliga zurückgekommen, dort haben wir auch über diese Szene diskutiert. Man muss dazu sagen, dass die imaginäre Linie, die das Fernsehen zieht, um eine Abseitsstellung aufzudecken, nur vermeintlich objektiv ist. Das Problem ist die Perspektive der Kamera, sie müsste eigentlich in der Verlängerung der imaginären Linie stehen. Also auf der Höhe, wo sich der vorletzte Abwehrspieler aufhält. Zum anderen besteht das Problem, dass der Moment der Ballabgabe im Bild häufig nicht genau fixiert ist. Dadurch kommt es in der Folge zu Verzerrungen und falschen Aussagen.

Trotzdem stand Michael Ballack wohl tatsächlich im Abseits, allerdings war es eine Millimeterentscheidung, die für das Schiedsrichtergespann nur schwer zu treffen war. Daher absolut kein Vorwurf. Fragen würde ich den Spieler allerdings nicht. Ich würde das nur in äußersten Ausnahmefällen tun. Wenn sich nach einer Entscheidung Unruhe auf dem Feld einstellt und der Schiedsrichter Verunsicherung spürt. Das Handtor von Oliver Neuville in der letzten Saison wäre so eine Situation gewesen. Bei Abseits empfiehlt sich das jedoch nicht. Der Spieler hat auf dem Feld nicht das Wissen über seine Position im Raum im Vergleich zu den anderen Spielern. Er hat auch eine ungünstigere Perspektive als der Schiedsrichterassistent. Wie die Fernsehkamera.

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