Was kommt hinter Neuner und Riesch? : Die neuen Sterne des Winters

Wer wird Nachfolgerin von Magdalena Neuner? Und wer rodelt bald um olympisches Gold? Wir stellen hier junge deutsche Wintersportler vor, die jetzt angreifen und eine große Zukunft vor sich haben.

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Flugs zu ersten Erfolgen. Richard Freitag sprang im Weltcup bereits auf vordere Plätze. In dieser Saison will er seinen ersten Sieg schaffen.
Flugs zu ersten Erfolgen. Richard Freitag sprang im Weltcup bereits auf vordere Plätze. In dieser Saison will er seinen ersten...Foto: dapd

Franziska Hildebrand, Biathlon

Bei all dem Bohei um Magdalena Neuner haben einige vielleicht gar nicht registriert, dass da plötzlich noch eine junge Frau aus Deutschland um vordere Platzierungen kämpft. Franziska Hildebrand heißt die Biathletin, die in ihrem ersten Weltcuprennen überhaupt in der vergangenen Woche in Östersund gleich mal den sechsten Platz belegte. „Die Franzi ist der Wahnsinn“, sagte Neuner daraufhin, und die muss es wissen. Schließlich teilt sie sich mit Hildebrand auf der langen Wintertour der Biathleten ein Zimmer und lief bereits im Juniorenalter mit ihr um die Wette. Doch als Neuner irgendwann schon bei den Großen allen davoneilte, holte Hildebrand lieber noch Titel im Juniorenbereich. Sie machte Abitur und hat ein Studium des International Managements angefangen; alles neben dem Sport. Durch ihren Sieg in der Gesamtwertung des IBU-Cup bekam sie nun endlich die Chance, ihr Talent auch im Weltcup zu beweisen. „Geil und faszinierend“ sei es, wenn im Wettkampf die Scheiben fallen, ließ Hildebrand vor einer Woche wissen. Schießen, das ist ihr Ding, mit Stricken, dem Hobby ihrer populären Zimmergenossin, könne sie hingegen nichts anfangen. Hildebrand sagt: „Jeder muss seinen eigenen Stil finden.“ Und so sieht es aus. Neuner und Hildebrand sind beide 24 Jahre alt, ihre Wege sind völlig verschieden. Während Neuner nach ihrer unvergleichlichen Erfolgsbilanz nach dieser Saison aufhören will, geht es bei Hildebrand gerade erst richtig los.

Die neue Neuner? Franziska Hildebrand will jetzt richtig loslegen. Foto: dapd
Die neue Neuner? Franziska Hildebrand will jetzt richtig loslegen. Foto: dapdFoto: dapd

Carina Schwab, Rodeln

Im Rennrodelsport hatten die Deutschen ja noch nie Probleme. Sie dominieren die Szene. Bei den Männern fährt der junge Felix Loch bereits ganze vorne mit, in seinem Schatten entwickeln sich die Talente wie Ralf Palick oder Julian von Schleinitz. Vor allem aber die Frauen sind den Konkurrentinnen meist um Längen voraus. Verwundern muss es da nicht, dass auch hier schon die nächste Hoffnung am Start steht. Momentan sausen zwar Antje Wischnewski, Natalie Geisenberger und besonders Tatjana Hüfner vorneweg, doch auch die 21 Jahre junge Carina Schwab hat im Weltcup schon positiv überrascht. Ausgerechnet am 12. Februar dieses Jahres, als erstmals seit 13 Jahren keine Deutsche gewann, wurde Schwab in Paranowomo Zweite. Ihr gelang es als eine von wenigen Rodlerinnen, sich schnell und gut auf die neue russische Bahn einzustellen. „Rodeln ist Kunst“, sagt Schwab. Und es scheint, als stecke in ihr eine ziemlich begabte Künstlerin. Der ehemalige Weltklasse-Rodler Georg Hackl urteilt über Schwab: „Sie liegt besonders schnittig auf dem Schlitten und ist fahrerisch bereits sehr gut unterwegs.“ Auch wenn sich die Rodlerinnen der anderen Nationen an die Deutschen heranarbeiten, könnte Carina Schwab perspektivisch erfolgreich rodeln. Zumal es bald noch eine Bahn in Russland geben wird – die, auf der 2014 um Olympiamedaillen gefahren wird.

Johannes Rydzek, Nordische Kombination

Selbst als um seinen Hals drei silberne Medaillen baumelten, dachte Johannes Rydzek noch, er befinde sich im Film. „Ich kann das alles gar nicht begreifen. Es ist unglaublich“, sagte er. Es war ja auch kaum zu fassen, was dem Schüler bei den Nordischen Weltmeisterschaften Anfang des Jahres am Osloer Holmenkollen gelang. Nur Insidern war sein Gesicht bekannt, bevor er in die Weltspitze flog und lief und sich damit sogar selbst überraschte. „Ich hätte nie damit gerechnet, dass alles so schnell nach oben gehen würde“, sagt Rydzek, „alles ist so neu für mich, und ich muss erst mal mehr Erfahrung sammeln.“ Dabei helfen dürften dem gerade 20 Jahre alt gewordenen Kombinierer die erfolgreichen Teamkollegen. Die deutsche Mannschaft um Eric Frenzel, Björn Kircheisen und Tino Edelmann hat gerade im Hinblick auf die Olympischen Spiele in Sotschi viel vor und darf – zurecht – auf noch mehr Erfolge hoffen. Johannes Rydzek könnte dann einen großen Teil dazu beitragen. Inzwischen hat er übrigens nicht nur Silber geholt, sondern auch seinen ersten größeren Titel. Im Oktober wurde er als „Juniorsportler des Jahres“ ausgezeichnet und hat damit auch Ausbildungsstipendien in Höhe von etwa 70 000 Euro eingeheimst. So langsam sollte Rydzek verstanden haben, wie gut er wirklich ist.

Richard Freitag, Skisprung

Die großen Triumphe deutscher Skispringer liegen eine Weile zurück. Doch es scheint sich was zu tun in der einst so ruhmreichen deutschen Springerwelt. Da gibt es Severin Freund, der es in der zurückliegenden Saison auf vordere Ränge schaffte. Und da ist jetzt auch noch Richard Freitag. Nach seinem ersten Podestplatz überhaupt am vergangenen Wochenende in Lillehammer bestätigte Freitag am Freitag als Sechster beim Springen in Harrachov seine gute Form. Es spricht viel dafür, dass es sich dabei nicht nur um ein paar Zufallshüpfer handelte. „Richard hat eine tolle Athletik und optimale Voraussetzungen“, sagt Bundestrainer Werner Schuster, „er ist ein intelligenter Bursche und sehr gefestigt.“ Und das, obwohl der Sachse gerade mal 20 Jahre alt ist. Bundestrainer Schuster sagt: „Wenn alles planmäßig läuft, wird die Konkurrenz ihn in diesem Winter noch richtig kennenlernen.“ Vielleicht auch darüber hinaus.

Andreas Pauli, Eishockey

In Sotschi dürfte das Turnier im eishockeyverrückten Russland wie in Vancouver das Kernstück der Olympischen Spiele sein, die Deutschen dürften eher als Außenseiter mitspielen – mit Andreas Pauli. Gerade ist das größte Talent des deutschen Eishockeys 18 Jahre alt geworden, bereits mit 17 hat der gebürtige Tölzer in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) beim EHC München debütiert. Der nur 1,75 Meter große Außen, der in 39 Spielen für Krefeld in der Nachwuchsliga auf 66 Scorerpunkte kam, unterschrieb einen Drei-Jahres-Vertrag in München. „Wir werden ihn behutsam aufbauen und vorsichtig an das Profigeschäft heranführen“, sagt EHC-Manager Christian Winkler. Wenige Spieler schafften mit 17 einen Sprung in die DEL – die letzten, die es geschafft haben, verdienen Dollarmillionen in Nordamerika in der NHL: Jochen Hecht, Marco Sturm und Marcel Goc. „Klar habe ich die Namen vor Augen“, sagt Pauli über die bekannten Kollegen. Aber der Weg in die NHL ist noch weit, Pauli ist noch jung – meistens der jüngste in seinem Team: in München oder im U-20-Nationalteam, mit dem er ab Sonntag um den Aufstieg in die A-Gruppe spielt.

Bobsport, Marketing. Pilot Maximilian Arndt überrascht in dieser Saison.
Bobsport, Marketing. Pilot Maximilian Arndt überrascht in dieser Saison.Foto: dapd

Maximilian Arndt, Bob

Eine große Karriere beginnt in der Regel im Bobsport nicht so früh wie in anderen Sportarten. Langjährige Erfahrung im Umgang mit dem Schlitten und den Bahnen ist gefragt, um das gewichtige Sportgerät als Pilot in die Weltspitze zu lenken. Insofern sind die bisherigen Platzierungen vom 24-jährigen Maximilian Arndt durchaus erstaunlich. Er hat beim Weltcup in Igls im Zweierbob schon das Team um den drei Jahre älteren Manuel Machata hinter sich gelassen, der sich anschickte, der nächste große deutsche Bobpilot nach André Lange, dem Rekordolympiasieger, zu werden. Im vergangenen Jahr hatte Machata schon die WM und den Gesamtweltcup gewonnen, diese Saison ist es bisher noch nicht so gut bei ihm gelaufen. Umso besser aber für Arndt, der von dem großen Champion Lange manchmal wertvolle Tipps erhält – und davon nimmt der Lehrling einige an. „Generell liegen mir die anspruchsvollen Bahnen wie Whistler, Altenberg oder Lake Placid“, sagt Arndt. Das kommt einem bekannt vor – von André Lange.

Christina Geiger, Ski Alpin

Wenn man nicht an einem der unzähligen Talentwettbewerbe im deutschen Fernsehen teilnimmt, dann ist es ungewöhnlich, in jungen Jahren einen eigenen Fanklub zu haben. Christina Geiger hat ihn – und hat nicht dafür singen müssen. Dafür hat sie mit 20 Jahren schon eine Olympiateilnahme hinter sich. So erfolgreich wie die ein Jahr ältere Olympiasiegerin Viktoria Rebensburg war sie zwar nicht, aber die Slalomspezialistin aus Oberstdorf gewann 2010 bei der Junioren-WM im Slalom in Chamonix Gold. In Vancouver 2010 nahm sie im Slalom teil und belegte immerhin Platz 14. Im Dezember vergangenen Jahres fuhr Geiger in Semmering auf Platz drei und kam erstmals im Weltcup auf das Podest. „Mein Ziel für diese Saison ist es, meinen Podestplatz vom letzten Jahr zu bestätigen und wieder vorne mit dabei zu sein“, sagt sie.

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