Sport : Was Nettes für den Briefkopf

Detlef Dresslein

Borussia Mönchengladbach gewinnt durch ein 3:2 im Finale gegen Greuther FürthDetlef Dresslein

Der Fußballlehrer Hans Meyer, derzeit beschäftigt bei Borussia Mönchengladbach, ist einerseits bekannt als Gegner des Hallenkicks und andererseits als Freund bissiger Ironie. "Ich hoffe, dass der DFB nicht auf die Idee kommt, dieses fantastische Masters abzusetzen. Schließlich sind wir nächstes Jahr gesetzt", sagte der Sachse und grinste schelmisch, während neben ihm der Ligapräsident Gerhard Mayer-Vorfelder und der Chef von 1860 München und Ausrichter der Endrunde des DFB-Hallen-Pokals, Karl-Heinz Wildmoser, mit derlei Sarkasmus nichts anfangen konnten. Oder wollen.

Borussia Mönchengladbach ist also wieder Meister. Immerhin "Deutscher Hallenmeister" - was Nettes für den Briefkopf und eine Streicheleinheit für die arme Seele in diesen harten Zeiten. "Wir haben keine Verletzten und etwas für den Teamgeist gemacht", sagte Meyer nach dem zweitägigen Hallenkicks von München, den er nicht mochte und alle anderen eigentlich auch nicht. Im Finale besiegten die Borussia mit 3:2 die SpVgg Greuther Fürth, als Elfter der Zweiten Liga unmittelbarer Tabellennachbar des Turniersiegers. Zwei Klubs aus den Weiten der Zweitklassigkit im deutschen Hallenfinale - "das deutet auf die Wertigkeit hin", sagte Hans Meyer, "denn die Bayern haben sicher was anderes im Kopf, als gerade hier zu spielen".

Und sicherlich hätten die Münchner sich auch etwas Angenehmeres vorstellen können, als in einem beinah wertlosen Turnier ein völlig wertloses Spiel um Platz drei zu bestreiten. Prompt verloren sie es im Neunmeterschießen gegen Bayer Leverkusen, und Mehmet Scholl gab zu, "dass wir Dritter werden wollten, aber es ist auch nicht schlimm, dass es nicht geklappt hat. Wir wollten guten Fußball spielen, auch wenn es nicht so ausgeschaut hat."

"Die Bayern", das war ohnehin eine Mischung aus der Reserve und der zweiten Reserve: di Salvo, Wiblishauser, Johannsson, Jarolim oder Bentil. Lediglich Mehmet Scholl, Carsten Jancker und Thomas Linke kann man dem "Freiluft-Stamm" zurechnen.

Den schönsten Fußball in München spielte die SpVgg Greuther Fürth. Beide Gruppenspiele wurden gewonnen, im Viertelfinale Werder Bremen und im Halbfinale Bayer Leverkusen ausgeschaltet. Erst im Finale gab es die unglückliche Niederlage gegen die Gladbacher, die sich zuvor geschont hatten. Der Halbfinalsieg der Borussia über den FC Bayern war der erste im Turnier, vorher gab es drei Unentschieden. Fürths Trainer Benno Möhlmann zog knapp Bilanz: "Wir sind zufrieden, unsere Spieler hatten Spaß."

Ironiker Meyer versicherte den DFB-Oberen abschließend, dass er "jetzt schon" überzeugt sei von dieser Veranstaltung. Und dann im Ernst: "Hallenfußball wird immer widersprüchlich sein. Aber dass die Halle hier ausverkauft war zeigt, dass die Leute es gerne sehen. Anderseits ist es trainingsmethodisch nicht gerade passend."

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