Sport : Was Nick Hornby peinlich fand Der FC Reading fordert

den FC Arsenal heraus

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Berlin - Nick Hornby war seine Nähe zu diesem Fußballklub einst peinlich. Dem englischen Schriftsteller, der den „Middle classes“ in den Neunzigerjahren mit dem Buch „Fever Pitch“ den Fußball nahebrachte, war sein lokaler Verein nicht attraktiv genug. Der FC Reading „war meine nächstgelegene Ligamannschaft. Ein unglückseliger, geographischer Unfall“ schrieb er in dem Kapitel, das sich mit einem Spiel Readings gegen Arsenal befasst. Als Jugendlicher aus Maidenhead westlich von London hätte Hornby durchaus Fan des unglamourösen, ganz in der Nähe spielenden FC Reading werden können. Er begleitete lieber seinen Vater ins Highbury-Stadion zum Spitzenverein FC Arsenal nach London. In seinem Fußball-Roman erzählte er dann später die Geschichte eines Arsenal-Fans.

Heutzutage hätte er sich vielleicht anders entschieden, denn Reading, der viertälteste Fußballklub Englands, könnte zum ersten Mal in der Klub-Geschichte in die höchste englische Liga aufsteigen. Eine erstaunliche Wende, schließlich drohte vor knapp fünfzehn Jahren der Bankrott. Wie weit der Verein in letzter Zeit gekommen ist, wird Hornby erst heute Abend richtig beurteilen können, wenn Reading in Highbury zur vierten Runde des League Cups gegen den FC Arsenal antritt.

„Wenn Nick Hornby heute ein Schüler wäre, würde er höchstwahrscheinlich Readings blau-weiße Querstreifen tragen statt Arsenals Rot“, sagt Martin Brailli, Mitglied eines Reading-Fanklubs. „Die Kinder wenden sich langsam dem Team ihrer Stadt zu anstelle von Arsenal, Chelsea oder Fulham aus London.“

Seit 1871 haben die „Royals“, so der Spitzname der einzigen Profi-Mannschaft in der königlichen Grafschaft Berkshire, immer in unteren Ligen gespielt. Und zwar in Elm Park, einem uralten, gefährlichen Holzstadion. Dann rettete der Verlegermillionär John Madejski den Verein vor dem Untergang und finanzierte den Umzug in ein hochmodernes Stadion für 22 000 Zuschauer an der Autobahn M4. Am Spieltag genießen die Fans dort den Duft des Hopfens der nahegelegenen „Courage“-Brauerei.

Readings Trainer ist der frühere Außenstürmer von Manchester United, Steve Coppell. Sein Team hat seit 20 Spielen nicht verloren, ein Klubrekord, und steht mit vier Punkten Vorsprung auf Platz eins der zweithöchsten Liga. Wegen des profilierten Trainers, des reichen Besitzers und vor allem des Durchschnittsalters der Spieler von 24 Jahren hoffen die Fans, dass Reading sich in der Premier League etablieren kann.

Wenn die Readinger Fußballer heute, begleitet von 10 000 Fans, in Highbury auflaufen, hat Nick Hornby die Chance, seine Worte zu überdenken. In „Fever Pitch“ schrieb er, die Satellitenstadt Reading – bekannt allenfalls für seinen vieldurchfahrenen Bahnhof und das Gefängnis, in dem Oscar Wilde einsaß – bringe die entwurzeltsten Geschöpfe dieser Erde“ hervor. Zumindest für Fußballfans stimmt das ab sofort nicht mehr.

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