Sport : Was spielst du?!

Kaya Yanar über die türkische Nationalelf

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Was ist nur mit unserer Nationalmannschaft los? Haben sich im Hinspiel von elf Alphornlutschern zwei Dinger ins Netz hauen lassen und stehen jetzt vor einer nationalen Schmach: Schaffen sie es im Rückspiel heute nicht gegen die Schweizer, können sie 2006 in Deutschland zuschauen. Und das bei der WM im eigenen Land.

Was waren die Türken sauer: Die Spieler wurden ausgebuht, viele Zuschauer rissen sich aus blanker Wut den Schnurrbart ab – darunter auch viele Frauen. Da waren keine elf türkischen Helden auf dem Platz, das waren elf Christian Wörnse.

Die Schweizer spielten präzise wie ein Uhrwerk von Tag-Heuer, die Türken wie die billige Kopie einer Swatch auf dem Basar von Belek, die schon nach zwanzig Minuten am Handgelenk zerbröselt. Doch anstatt sich zu schämen, dachten die türkischen Spieler nur ans Party machen: ’ne Toblerone vorne in die Jeans gestopft und ab in die Disco.

Eine echte Packung hat man sich da abgeholt – einmal komplett mit allem und scharfer Soße. Doch wie lässt sich aus den Fehlern lernen und das für die Revanche am heutigen Mittwoch nutzen? Ich empfehle da die Fondue-Taktik: Auf kleiner Flamme weich kochen, bis der Gegner dahinschmilzt, mit zwei Spitzen aggressiv in die Zweikämpfe gehen, dranbleiben und sich nicht das Brot von der Gabel nehmen lassen bzw. die Butter. Wie auch immer: Fußball ist in der Türkei die wichtigste Sportart nach dem Ziegencatchen und dem Winterschlussverkauf, da kann man nicht einfach so verlieren. Wir müssen gewinnen, komme, was da wolle.

Und für den unwahrscheinlichsten Fall, dass wir Türken gegen ein paar Schweizer im Fußball ausscheiden sollten, die Rache wird übel werden. Wimbledon 2006 steht das nächste Duell an: Da zeig ich dem Roger Federer, dass man als Türke nicht nur Gras verkaufen, sondern auch darauf gewinnen kann. Merhaba!

Der Autor wurde 1973 in Frankfurt am Main als Sohn einer türkisch-arabischen Familie geboren und hat heute bei Sat 1 seine Comedy-Show „Was guckst du?!“

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