Sport : Was tun, wenn’s klemmt?

Werder Bremen steht nach dem 0:6 in Stuttgart der sportlichen Krise immer ratloser gegenüber

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Nach unten. Wiese (l.) und Prödl übersetzen das Ergebnis in Körpersprache. Foto: dapd
Nach unten. Wiese (l.) und Prödl übersetzen das Ergebnis in Körpersprache. Foto: dapdFoto: dapd

Wo anfangen, wo aufhören? Werder Bremens Trainer Thomas Schaaf wollte erst gar nicht aufzählen, welcher Mannschaftsteil die meiste Schuld an der schwersten Krise seiner fast zwölfjährigen Amtszeit trägt. Dabei hätte es am Sonntag nach dem 0:6 beim VfB Stuttgart dringend Gesprächsbedarf gegeben. „Wir machen inzwischen viele Dinge falsch“, sagte der 49-Jährige. „Die Mannschaft bringt sich in falscher Form ein.“ Es war nicht allein die Abwehr, die Werder in Stuttgart zum Spielball des Gegners werden ließ, alle Bremer stehen nach den Niederlagen in der Champions League nun auch in der Bundesliga völlig neben sich.

Selbst der Abgang aus dem Stuttgarter Presseraum wollte Schaaf am Abend der Demütigung nicht reibungslos gelingen. Der Stuttgarter Manager Fredi Bobic stand im Weg. „Mensch“, flüsterte Schaaf, „da ist kein Durchkommen.“ Die ausweglose Situation mag sich zufällig ergeben haben, dennoch passte sie bestens. Vieles bei Werder scheint blockiert und steuert auf die Frage zu: Schafft Schaaf die Wende, die ihm oft gelang, wenn es in den fast zwölf Jahren seiner Amtszeit einmal klemmte? Rezepte gegen den sportlichen Absturz aber sind schwerer zu finden als der Ausgang eines Medienraumes. Vor allem, wenn eine Mannschaft kaum über Figuren verfügt, die ihr Halt gibt und am Ende sogar der Trainer von der Verunsicherung ergriffen scheint, die seine Elf auf dem Rasen lähmt. Der als Führungsfigur immer häufiger überforderte Torsten Frings verschoss beim Stand von 0:1 in Stuttgart den ersten Elfmeter seit sechseinhalb Jahren.

Inzwischen bröckelt das Denkmal Schaaf, der Trainer sieht sich wachsender Kritik ausgesetzt, weil er bei Aufstellung und Taktik keine konstante Linie fährt. Ein freiwilliger Rücktritt, über den zuletzt spekuliert wurde, scheint allerdings so ausgeschlossen wie eine baldige Trennung von Vereinsseite aus. Trotzdem kam auch Geschäftsführer Klaus Allofs nicht ohne Ansätze einer Trainerdiskussion aus. „Wir müssen etwas an den Stellschrauben drehen, ich bin überzeugt, dass er das kann“, sagte er.

Derzeit hat Allofs nichts dagegen, dass ihm als Drohung ausgelegt wird, wenn er schmerzhafte Einschnitte andeutet, sollte sich die Misere fortsetzen. Nach der überhasteten Aktion im Oktober, als Werder Teile der Spielergehälter einbehielt und später kleinlaut auszahlte, bleibt ihm kaum mehr Spielraum für weitere drastische Maßnahmen. „Wer es jetzt nicht kapiert, spürt andere Maßnahmen“, sagte er nun. Vorerst klammert man sich in Bremen mit Verzweiflung an die Hoffnung, es wie in früheren Jahren wieder irgendwie aus der Krise zu schaffen.

Nach der Pleite von Stuttgart erscheint das schwerer als jemals zuvor, weil sich Bremen regelrecht überrennen ließ. „Wie wir aufgetreten sind, das ist peinlich. Jeder sollte sich schämen. Es fehlt an der Einstellung“, sagte Torwart Tim Wiese, trotz der sechs Gegentreffer bester Bremer des Abends. Allofs musste eingestehen, er könne sich nicht daran erinnern, Werder einmal so schlecht gesehen zu haben. „In den letzten Tagen haben wir einiges verspielt“, sagte er. Die Frage nach der mangelnden Einstellung seiner Profis vermied er bewusst. „Auch wenn das jetzt viele nicht gerne hören werden: Wir werden nicht verrückt spielen, die Dinge analysieren und hart arbeiten.“

Im Winter scheinen personelle Nachbesserungen im Kader dagegen unumgänglich. Sie wären auch der Beleg dafür, dass das Duo Schaaf/Allofs bei seinen Einkäufen im vergangenen Sommer falsch lag.

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