Sport : Was wollen wir denn?

Marcel Reif

Die EM kommentiert von

Da gibt es nichts zu meckern, da gibt es nur Respekt zu bekunden und die großartige Leistung zu beklatschen, aus geringen Mitteln das Optimum rauszukitzeln. Griechenland steht im Finale, das ist die größte Sensation im Weltfußball seit, ja, seit dem Wunder von Bern. Dass die Tschechen dazu ihr blitzschnelles und brillantes Kombinationsspiel ängstlich verließen, spricht nicht gegen die Griechen, sondern nur für die These, dass bei dieser EM Mutlosigkeit bestraft wird. Otto Rehhagels Zöglinge haben dem übermächtigen Gegner mit tugendhafter Disziplin ihr Spiel aufgezwungen, Hut ab.

Und es kam, was kommen musste: Otto Rehhagel steht da als Bundestrainerkandidat und Retter Deutschlands. Aber können wir vor seiner Inthronisation kurz nachdenken, was wir wollen? Langfristigkeit oder nur eine anständige WM in zwei Jahren? Letzteres spräche für Rehhagel, der keine jungen Spieler kennt, keine alten, der kennt nur gute oder schlechte Spieler. Er kennt auch keine schöne Taktik, sondern nur eine erfolgreiche. Rehhagel steht sicherlich für die Optimierung der Möglichkeiten, und damit ist manches manchmal möglich. Damit arbeiten sich seine Griechen ins Finale, damit gewinnt auch schon mal ein Dorfklub im Pokal gegen Bayern München. Wenn also die Beschlusslage so ist, dass nach 2006 die Sintflut kommt, dann kann man, dann muss man Rehhagel zum Bundestrainer befördern. Was 2008, bei der nächsten Europameisterschaft, sein wird, und 2010 bei der WM, sollte man dann allerdings nicht vorausplanen. Und die Diskussion über eine stabile internationale Wettbewerbsfähigkeit beenden. Man muss nur wissen, was man will.

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