Sport : Wasser ist zum Siegen da

Spandau wird zum 24. Mal Deutscher Meister und denkt an das Final Four der Champions League

Helen Ruwald

Berlin. Sekunden vor Schluss stimmten die Spandauer Fans den Spottgesang an: „Und so spielt man Wasserball…“. Noch eine verbale Klatsche für die schon zur Genüge gedemütigten Spieler des ASC Duisburg. Nicht nur, dass die Wasserfreunde Spandau 04 durch das 11:5 (2:1, 5:2, 2:1, 2:1) im dritten Play-off-Finalspiel zum 24. Mal Deutscher Meister geworden war – Duisburg selbst war nur ein netter, eigentlich zu netter Gegner gewesen auf dem Weg zum Final Four der Champions League in Genua in zwei Wochen, das erstmals erreicht wurde. Die ersten beiden Finalspiele gegen den ASC hatte Spandau 13:7 und 18:3 gewonnen. Der Gegner war kein Konkurrent, sondern nur ein Haufen bedauernswerter, triefender Geschöpfe.

Spandaus Slawomir Andruszkiewicz legte seinem Trainer Peter Röhle nach dem Finale den Arm um die Schulter, packte ihn und warf ihn gemeinsam mit seinen Kollegen ins Becken. Der Sekt spritzte, so wie es sich gebührt, aber so groß wie in den letzten Jahren war die Freude bei den meisten nicht. 2001 und 2002 hatte sich Spandau beide Male erst im fünften Finalspiel 9:8 gegen Waspo Hannover durchgesetzt. „Ich hätte mir mehr Brisanz gewünscht, letzes Jahr war die Freude größer“, sagt Spieler Andreas Schlotterbeck nicht sehr fröhlich. Kapitän Patrick Weissinger ist stolz auf die „perfekte Saison, wir haben zu null gespielt“, in der Bundesliga also alle Spiele gewonnen. Nur im Pokal patzten die Wasserfreunde und scheiterten im Viertelfinale an Canstatt. Dass Duisburg gestern sogar in Führung ging und bei Spandau spielerisch „nichts geklappt hat“, wie Präsident Hagen Stamm zugab, störte niemanden. Die Motivation war eben dahin nach dem 18:3.

„Ich bin zum neunten Mal Meister, da springt man nicht mehr so durch die Halle vor Glück“, verriet Weissinger, „aber ich freue mich für Sören Mackeben und Mark Politze.“ Die Nationalspieler waren Dauer-Endspiel-Verlierer mit Hannover, ehe sie zu Saisonbeginn nach Spandau wechselten. Durch sie „ist die interne Konkurrenzsituation größer geworden, außerdem sind wir schwerer auszurechnen“. Dem härtesten Konkurrenten, Waspo, sind die besten Spieler weggekauft worden, dadurch ist die Bundesliga langweiliger geworden – und Spandau international konkurrenzfähig. „Mit etwas Glück setzen wir in Genua noch den i-Punkt“ auf diese erfolgreiche Saison, sagte Trainer Peter Röhle nach dem neuerlichen Triumph auf nationaler Ebene. Der i-Punkt, das wäre „besser als Platz vier“.

Im Team von Honved Budapest, dem Halbfinal-Gegner im Final Four, spielen sieben Olympiasieger, doch Stamm, der auch Bundestrainer ist, sagt: „Ich traue unserer Mannschaft alles zu.“ Stamm fürchtet den Auftritt in Italien aber auch ein wenig. Dort werden viele Späher auf der Tribüne sitzen, „wir dürfen keine Luftschlösser bauen, in Italien werden andere Gehälter gezahlt“. Höhere. Abwerbungsversuche sind wahrscheinlich. Deshalb will Hagen Stamm auch die Vertragsverhandlungen mit Spandaus Wasserballern in den nächsten zwei Wochen führen. Vor der Reise nach Genua.

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