Sport : Wasser von allen Seiten

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Dass das Hannoveraner Volksbad Limmer sich extra für das große Ereignis herausgeputzt hatte, kann man nicht unbedingt sagen. Ein Cocktailstand da, ein Würstchengrill da und über allem eine Bretter-Empore mit Pommesbude. Schön wär’s gewesen, auf der Liegewiese zu liegen und einem spannenden Wasserballspiel zuzusehen. Doch dann kam der Regen, der sich aus schwarzen Wolken über das Schwimmbad ergoss und der kurzzeitig sogar zu Hagel wurde. Aus Sonnen- wurden Regenschirme, Wasser kam von allen Seiten, und die Spandauer Wasserballer hüllten sich in ihre Bademäntel, als wären sie Hauptdarsteller einer Weichspüler-Werbung.

Die Fans beider Seiten hatten trotz der kalten Witterung rechtzeitig am Beckenrand Position bezogen, um dem ersten Play-off-Finale Waspo – Wasserfreunde zuzusehen. Ginge es nach der Größe der Trommeln, hätte der Sieger noch vor dem Anpfiff festgestanden: Die Spandauer Fans klopften auf die größten Instrumente, bliesen in die lautesten Tröten und hatten offenbar auch den meisten Schnaps dabei. Eine aufreizende Polonaise des Waspo-Gefolges rund um das Becken konnte die Spandauer nicht aus der Fassung bringen – wohl aber Hannovers Trainer Bernd Seidensticker, der, als sich die Niederlage seines Teams im letzten Viertel andeutete, einen Plastikkegel auf den Schiedsrichter warf. Sonst ging es jedoch fair zu - es schien, als kühlte die frische Brise die Gemüter der Rivalen. Nach dem Spiel, das die Spandauer Wasserfreunde mit 12:10 (1:2, 2:3, 2:5, 5:2) souverän gewannen, klopfte man sich gegenseitig auf die Schulter und fand am halb überdachten Bratwurstgrill schnell Kontakt. Ob die Titelverteidiger wieder Meister werden, entscheidet sich nächstes Wochenende. Seidensticker zeigte nach dem Schlusspfiff Einsicht: „Wir haben miserabel gespielt, unsere Spieler waren wie festgefroren.“ Sein Aushängeschild Marc Politze hatte immerhin drei Tore erzielt. In der nächsten Saison wechselt Politze zu den Wasserfreunden. „Ihr kriegt Marc, aber wir holen die Champions League“, hatten die Hannoveraner plakatiert. Was zu beweisen wäre. Esther Kogelboom

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