Sport : Wasserball: Aufholjagd zum Stammplatz

Ingo Wolff

Das Ergebnis ist für Peter Röhle keine Überraschung. 14:8 gewann Spandau 04 gegen Rote Erde Hamm. Eine souveräne Vorstellung des Titelerteidigers beim zweiten und entscheidenden Halbfinalturnier um der Deutschen Wasserballmeisterschaft in Hannover. Aber Röhle hatte ja schon zuvor gesagt: "Wir können uns nur selber schlagen."

Timo Purschke ist einer von denen, die sich nur selber schlagen könnten. Er steht an diesem Tag ein wenig unter Druck. Der Wasserballer muss zum Training und ist spät dran. Seine Kollegen warten nicht gerne. Bei Spandau 04 ist jede Minute Training wichtig, denn fast alle Spieler haben einen Job und für den Leistungssport nur nach Feierabend Zeit. Purschke ist einer der Wenigen, bei denen das anders ist. Der 20-Jährige hat gerade sein schriftliches Abitur gemacht, die mündlichen Prüfungen sind noch weit weg, er kann sich auf den Sport konzentrieren. Das hat der 1,90-m-Mann auch nötig, schließlich leistete sich Purschke eine halbes Jahr Pause vom Sport. Der Schulabschluss ging vor.

Also muss jetzt im Wasser richtig ackern. Im Moment steht nur die Titelverteidigung auf dem Programm. Und die sollte kein Problem darstellen: Trainer Peter Röhle verfügt über das größte Nachwuchspotenzial der deutschen Teams. Sichtbarer Erfolg seiner Mixtur aus Jung und Alt ist die souveräne Leistung der jungen Spieler beim ersten Halbfinalturnier in Berlin vor einer Woche. Röhle ist zufrieden: "Das war eine ordentliche Leistung. Ich verspreche mir aber noch mehr." Junge Spieler wie Purschke sind selbst bei den leichten Spielen hochmotiviert, das hat sich gezeigt, sie bekommen deshalb auch viel Einsatzzeit. Doch für die anspruchsvolleren Gegner bevorzugt Röhle lieber Routiniers wie Patrick Weissinger oder Lasse Norbaek. "Gerade die so genannten Auslaufmodelle sind wegen ihrer Erfahrung die wichtigsten Spieler", sagt Röhle. Doch einige dieser Routiniers muss er bald ersetzen. Der 31-jährige Däne Norbaeck zum Beispiel hört zum Saisonende auf. Und er macht nur den Anfang. Spätestens in zwei Jahren müssen Timo Purschke oder auch Andreas Schlotterbeck voll einsetzbar sein, damit der Deutsche Rekordmeister und frühere Seriensieger im Europacup an seine Erfolge nahtlos anknüpfen kann.

So ist das Training für Purschke und Co. eine Mixtur aus Lernprozess mit den Stars und gleichzeitig Duell mit ihnen. Mit dem Klubnamen freilich ist es nicht weit her. Wasserfreunde - ja, außerhalb des Beckens vielleicht. Im Wasser dagegen wird die Hierachie ausgeknüppelt. "Jeder will unter die ersten Sieben", sagt Purschke. In Röhles Augen besitzt er unter den Talenten das größte Potenzial. Ob er aber mal Nachfolger von Regisseur Norbaek wird, weiß Purschke nicht: "Über die personelle Zukunft wird bei uns nicht gesprochen." Nur über die sportliche. Man möchte ja seinen Spaß haben.

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