• Wasserball-Bundesliga: Supermänner und Mimosen: Gegenseitige Vorwürfe der Trainer Röhle und Seidensticker

Sport : Wasserball-Bundesliga: Supermänner und Mimosen: Gegenseitige Vorwürfe der Trainer Röhle und Seidensticker

Claus Vetter

Beim Endspurt in der Wasserball-Bundesliga überrascht der Blick auf die Tabelle: Waspo Hannover liegt vorn, der Titelverteidiger Wasserfreunde Spandau 04 nur dahinter. Zum Auftakt der "Final-Four"-Serie gingen die Berliner am vergangenen Wochenende in Hannover kräftig baden. Der Tiefpunkt war das 4:9 gegen die Gastgeber. Da staunte selbst Hannovers Trainer Bernd Seidensticker nicht schlecht: "So schwach habe ich die Spandauer noch nie gesehen."

Seidenstickers Berliner Kollege hat da eine andere Sichtweise. Schließlich sei man geschwächt gewesen, habe ohne Norbaek (Daumenbruch), Torwart Tschigir (Zerrung) und Weissinger (Nasenbeinbruch) auskommen müssen, sagt Peter Röhle. Das Trio hatte sich eine Woche zuvor beim Pokalfinale in Berlin verletzt - ausgerechnet gegen Hannover. Zumindest im Falle Weissinger hatte Röhle eine vorsätzliche Attacke eines Gegenspielers erkannt. Sich auf diese Art und Weise Vorteile zu verschaffen, das sei "ungerecht", meint Spandaus Trainer. "Das ist mimosenhaft, da wird was hochgekocht", glaubt hingegen Seidensticker. Die erfolgsverwöhnten Spandauer könnten nicht mit der ungewohnten Rolle des Verlierers umgehen. "Die Diva ist beleidigt." Und unfair sei sein Team schon gar nicht. "Da reicht ein Blick auf die Statistik, wir hatten in dieser Saison die wenigsten Hinausstellungen."

So ganz mag Röhle nicht an Hannoveraner Fair-play glauben. Am zurückliegenden Sonntag, da habe er doch Erstaunliches beobachtet, berichtet der Trainer. Hannovers Marc Politze war im Pokalfinale mit einem Nasenbeinbruch ausgeschieden, schwamm im Gegensatz zu Weissinger aber wenige Tage später wieder "volle Pulle". "Entweder ist er ein absoluter Supermann oder hat die Neigung, extrem schnell zu regenerieren", mein Röhle. Der Auftritt von Politze habe etwas mit dessen vorbildlicher Einstellung zu tun, hält Seidensticker dagegen. Die Berliner seien wohl eher an ihrer Überheblichkeit gescheitert. "Die sind nicht schlechter als früher, nur sind wir besser geworden." Natürlich rechne man sich daher bei Waspo Chancen auf den Titel aus. Und der müsse, so Seidensticker, auch nicht unbedingt gegen Spandau gewonnen werden. "Das Endspiel kann auch Waspo gegen Hamm heißen."

Bei Spandau wird zwar kräftig gepoltert, aber man man sich trotz ungewohnter Negativerlebnisse nicht aus der Ruhe bringen lassen. "Neu ist an der Situation für uns bis jetzt noch nichts", sagt Röhle. "Neu wäre nur, wenn wir am Ende nicht ins Finale kämen." Und daran, dass die Berliner das Endspiel erreichen, zweifelt er - anders als Seidensticker - nicht. Nunmehr in Uerdingen gegen Gastgeber Bayer und Rote Erde Hamm, werde seine Mannschaft "ein anderes Gesicht" zeigen als zuletzt, glaubt er.

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