Sport : Wasserball-Champions-League: Übergabe am Busbahnhof

Hartmut Moheit

Wenn die Wasserfreunde Spandau 04 spielen, dann ist Sonja Hamann nicht weit. Ob gegen den Letzten der Bundesliga oder in der Champions League, die gebürtige Kroatin trötet garantiert am Beckenrand. Doch wer die 60-jährige als guten Geist der Wasserballer abtut, der unterschätzt sie. Peter Röhle nennt Sonja Hamann "eine große Hilfe für mich", denn der Spandauer Trainer ist durch Sonja Hamann schlauer geworden. Den heutigen Champions-League-Gegner Posilippo Neapel (17.30 Uhr/Schwimmhalle Schöneberg) kennt er nunmehr bestens. "Sonjas Sohn Igor hat in Zagreb das Spiel zwischen Jug Dubrovnik und Neapel aufgezeichnet", erzählt Röhle. Der Fahrer eines Linienbusses nahm das Video auf der Tour über 1600 Kilometer an sich. Am Berliner Busbahnhof stand die Frau mit der Tröte und holte das Band ab. Danach lief es ein paar Stunden lang in Peter Röhles Videorekorder auf und ab.

Igor Hamanns Vido hat den Berliner Trainer nicht unbedingt beruhigt. Spätestens jetzt weiß er, wie schwer es heute für seine Mannschaft wird. Der einstige Weltklassetorhüter zählt Gründe auf: "Meine Spieler sind es nicht gewohnt, ständig unter Druck zu stehen. Im Gegensatz zu ihnen sind die Italiener Profis, haben eine hochklassige Meisterschaft und viel internationale Einsätze zu bewältigen. Zudem können sie erstklassige Ausländer in ihr Team holen."

Und doch hoffen die Spandauer heute auf den zweiten Sieg am zweiten Spieltag der Champions League. Dann würden sie vier Punkte vor der bestbezahlten Mannschaft Europas liegen. Nach dem Sieg über Moskau und der Niederlage von Neapel in Dubrovnik wäre das ein Traumstart. "Man wird ja träumen dürfen", sagt Röhle, der eigentlich neidisch werden könnte. Allein die ungarischen Stars Barnabas Steinmetz und Tamas Kasas verdienen mit 240 000 Mark zusammen beinahe so viel, wie der halbe Spandauer Jahresetat ausmacht. Video-Transporte quer durch Europa inklusive.

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