• Wasserball: Geschlampt auf allen Ebenen - Jens Pohlmann träumt vom Meistertitel und kritisiert den Verband

Sport : Wasserball: Geschlampt auf allen Ebenen - Jens Pohlmann träumt vom Meistertitel und kritisiert den Verband

Claus Vetter

Erst 21 Jahre und trotzdem schon einer der überragenden Akteure beim Deutschen c-Meister. Doch wenn es um die Einschätzung der eigenen Leistung geht, dann ist Jens Pohlmann zurückhaltend. "Inzwischen mache ich in fast jedem Spiel mein Tor", sagt der Angreifer der Wasserfreunde Spandau 04, "aber es könnte mehr sein, da sind noch Reserven." 38 Treffer hat der gebürtige Berliner in dieser Saison erzielt, damit seine Marke aus dem Vorjahr - 29 Tore - schon vor dem zweiten Meisterschafts-Finale morgen gegen Waspo Hannover (17 Uhr, Olympia-Schwimmstadion) übertroffen. Kein Wunder, dass Peter Röhle die Entwicklung von Pohlmann mit Wohlwollen verfolgt hat. "In seiner Altersklasse ist Jens in Deutschland auf jeden Fall der Beste", sagt Spandaus Trainer. "Er ist einer der wenigen kreativen Spieler, sehr kampfstark, und bei uns seit dieser Saison aus der Anfangsformation nicht mehr wegzudenken."

Trotz des Aufwärtstrends bei Spandau 04 - sorgenfrei war Pohlmann in dieser Spielzeit nicht. In der Nationalmannschaft kam er nicht so gut zurecht wie im Verein, Röhle weiß warum: "Wegen seiner Kreativität ist Jens sehr sensibel. Bei der Nationalmannschaft wurde aber nicht sensibel mit ihm umgegangen." Das Thema Auswahl sei spätestens nach der verpassten Olympia-Qualifikation im Mai für ihn ein eher leidiges, meint Pohlmann. Nach dem Abgang von Uwe Sterzik gibt es derzeit nicht mal einen Bundestrainer: "Da passiert gar nichts, auf allen Ebenen wird geschlampt. Der Wasserballsport hat sich an Deutschland vorbeientwickelt. In Ungarn oder Kroatien, da trainieren die zwei bis drei Mal täglich. Diese Möglichkeiten haben wir nicht, deshalb ziehen die uns davon."

Was tun, um Wasserball angesichts dieser Nachteile hier zu Lande in Schwung zu bringen? Pohlmann glaubt, dass mehr Professionalität gefragt ist, vor allem für größere finanzielle Unterstützung gesorgt werden muss. Bislang stehe der Aufwand für die Spieler in keinem Verhältnis zum Ertrag. Mindestens sieben Trainingseinheiten absolviert der 21-Jährige mit seinem Klub pro Woche, doch kaum ein Spieler des deutschen Meisters erhält ein Salär, welches vergleichsweise in derart professionell betriebenen Sportarten gezahlt wird. "Das belastet natürlich", sagt Pohlmann, "jeder, der so viel in seinen Sport investiert, will natürlich etwas dafür herausbekommen."

Werbung auf der "Haifischhaut" oder das "Aqua-Goal" für die Kids, zum Beispiel: Wenn es darum geht, seinen Sport nach vorn zu bringen, dann kommt der Philosophie-Student ins Grübeln. Im Schwimmen hätten sich die Anzüge durchgesetzt, warum nicht auch im Wasserball die Badehosen im Schrank lassen? Bessere Vermarktungsmöglichkeiten seien für die Werbepartner so garantiert, bislang sei doch nur der minimale, und damit unattraktive Platz auf der Badekappe an Sponsoren zu vergeben. "Wir sollten unseren Ausrüster bitten, das mal in den Spielen vor der nächsten Saison auszuprobieren." Daneben müsse man mehr auf den Nachwuchs schauen, den Sport an die Schulen bringen und sich zudem ein flotteres Image zulegen, Innovationen wie das "Aqua-Goal" nutzen - ein aufblasbares Tor, was jeder an Strand oder See bewerfen kann.

An diesem Wochenende ist allerdings nichts mit "Aqua-Goal" oder Haifischhaut, trotzdem wollen die Wasserfreunde zubeißen. Wenn es nach Pohlmann geht, nur einmal. Nach dem 7:6 im ersten Finalspiel gegen Hannover haben die Berliner in der nach dem Modus "Best-of-three" veranstalteten Endspielserie am Sonnabend den Matchball. Alles andere als der Gewinn des 21. Meistertitels für die Berliner wäre eine Überraschung. Röhle warnt trotzdem, bemüht in solchen Situationen oft gehörte Standards. "Wir sind noch nicht Meister, Hannover wird es uns nicht leicht machen", meint der Spandauer Trainer.

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