Sport : Wasserball-Nationalteam: Premiere ohne Illusionen

Hartmut Moheit

Größere Illusionen hat Hagen Stamm keine: "Wir werden wohl so richtig eins auf die Mütze bekommen." Von Optimismus kann beim neuen Wasserball-Bundestrainer vor seiner Länderspiel-Premiere gegen Kroatien (18 Uhr in Schöneberg) also nicht die Rede sein. Aber Augenwischerei würde ihm in seinem schwierigen Honorarjob auch nicht helfen. "In diesem Spiel treffen zwei Welten aufeinander", begründet er. "Es kommt schließlich der Vize-Europameister, und wir sind international zweite Wahl." So kommt ihm der heutige Vergleich gegen einen schier übermächtigen Gegner genau richtig, denn "was nutzt es den jungen Spielern, wenn sie gegen ein schwaches Team hoch gewinnen, danach ihre Stärken und Schwächen nicht realistisch sehen".

Und die Situation ist für die deutsche Auswahl nicht einfacher geworden, seitdem der neue Chef den bisherigen Kapitän René Reimann, der auf Teneriffa spielt und keine klaren Aussagen zu seiner Zukunft treffen wollte, suspendiert hat. Auch auf Lasse Noerbaek, den Dänen von Spandau 04, der sich extra für eine mögliche Olympiateilnahme für Deutschland hat einbürgern lassen, kann Stamm nicht mehr bauen. "Er ist von allen wohl am meisten gefrustet, dass es mit dem Trip nach Sydney nicht geklappt hatte", vermutet der ehemalige Weltklasse-Center. In seinem Kalender ist der Zeitraum vom 16. bis zum 18. März 2001 dick unterstrichen, wenn es in Berlin gegen Weißrussland, Rumänien und Polen um die EM-Qualifikation gehen wird. "Da müssen wir wenigstens Rang zwei belegen, um um international wieder nach oben blicken zu können", betont Stamm. Eine andere Sache ist die finanzielle Grundlage für dieses Turnier. Der Weltverband (LEN) verlangt allein 10 000 Schweizer Franken für die Fernsehrechte. Es bleibt die Frage, wie diese Summe wieder reinkommen soll, wenn niemand zweitklassige Wasserballspiele übertragen möchte?

Hagen Stamm hat für heute um 10.45 Uhr einen 25 Mann starken Kader nach Berlin bestellt, der er nach dem sechstägigen Auswahllehrgang auf 15 reduzieren möchte. "Ich habe viele junge Leute berufen, die bei der Jugend-Europameisterschaft in Lünen Siebente wurden", teilte der neue Coach mit. Wer von ihnen nicht gegen Kroatien spielen darf - am kommenden Mittwoch wird es ein zweites Länderspiel in Magdeburg geben - bekommt in der B-Mannschaft gegen eine Auswahl der Wasserfreunde Spandau 04 und der SG Neukölln eine Chance. Acht Spandauer zählen jedoch allein schon zu den von Stamm nominierten Aktiven.

Apropos Spandau 04: Das Team von Peter Röhle trifft in der Champions League auf Dubrovnik, jener Mannschaft, die vier oder fünf kroatische Nationalspieler in Berlin stellen wird. Beobachtung wird also auch unter diesem Aspekt angesagt sein, denn Spandau rechnet sich - im Gegensatz zu Nationalmannschaft - gegen die Kroaten viel aus.

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