Sport : Wasserball: Ohne Rücksicht auf den Rücken

Hartmut Moheit

Der Rücken schmerzt. "Es wird schon gehen - es muss", sagt Alexander Tchigir, "zur Not mit einer Spritze." Für einen Wasserball-Torhüter ist es mit Qualen verbunden, wenn im Bereich der Bandscheibe Probleme auftreten. Denn zurückhalten kann er sich heute auf keinen Fall, im Gegenteil, eine Top-Leistung wird ihm garantiert abverlangt. Im ersten Spiel der Champions League muss ein Sieg gelingen, "aber das wird verdammt schwer", sagt der Russe. Mit den Wasserfreunden Spandau 04 wird Tchigir in der Schöneberger Schwimmhalle (17.30 Uhr) gegen Dynamo Moskau spielen, den Sieger im Europacup der Pokalsieger 2000. Und keiner weiß so gut über dieses Team Bescheid wie der gebürtige Moskauer. Zum Jahreswechsel war er zu Hause bei den Eltern und hat mit den alten Kollegen gefeiert. "Die werden", warnt Tchigir, "mit einer stärkeren Mannschaft nach Berlin kommen als beim letzten Mal." Damals, im November vergangenen Jahres beim Balen-Cup, hatte Spandau 9:7 gewonnen.

Einer dieser zusätzlichen Stars aus dem Lande des Olympiazweiten von Sydney ist Dmitri Apanasenko. Eine wesentliche Verstärkung, sagt Tchigir, und Peter Röhle erinnert sich daran, dass "ich mir mit dem früher große Kämpfe geliefert habe". Das war, als Röhle noch nicht Trainer der Spandauer war, sondern bei ihnen im Tor stand. Sein Nachfolger Tchigir (300 Länderspiele für Russland) hat fast 20 Jahre lang mit Apanasenko gespielt, dem späteren Profi in Italien, Frankreich und Griechenland. "Auch im Ausland war Dmitri oft der Torschützenkönig", erzählt Tchigir, der jetzt das Tor der deutschen Nationalmannschaft hütet. Apanasenko und Alexander Jerychow sind für ihn die "Strategen" in einer Mannschaft, die er mit Posillipo Neapel (Heimgegner am 10. Februar) als Favoriten in der Blauen Gruppe ansieht. Hinzu kommt noch Jug Dubrovnik, der Meister aus Kroatien.

"Wir haben acht Mal in der Woche hart für das erste Spiel trainiert, das erklärt vielleicht auch ein wenig die klare Niederlage zuletzt in Hannover", sagt Tchigir. Ein erfolgreiches Abschneiden der Spandauer hält er nicht nur aus Vereinssicht für wichtig: "Wir können den Ruf des deutschen Wasserballs wieder verbessern. Hannover war zur Qualifikation für den Pokalsieger-Cup gerade einmal mit sieben Spielern angereist. So etwas führt doch dazu, dass auch der letzte Respekt vor den deutschen Wasserballern verloren geht."

Der 32-Jährige ist auch deshalb froh, dass er für Spandau spielt, "denn so etwas Unprofessionelles würde bei uns nicht passieren". Zwar sind die Wasserfreunde keinesfalls Vollprofis. Tchigir etwa arbeitet im Im- und Export als Verbindungsmann mit Russland. Aber das, was sie anpacken, soll dem möglichst nahekommen, was die großen Klubs in Italien oder Spanien leisten. "Nur so haben wir eine Chance", sagt Tchigir. Wenn es nötig ist, hilft auch mal eine schmerzstillende Spritze weiter.

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