Wasserball : Ungewollt spannend, ungeahnt gut

Die deutschen Wasserballer überraschen bei der EM in Kroatien. Das Potenzial ist größer, als öffentlich vermutet.

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In Kroatien finden derzeit die Wasserball-Europameisterschaften statt. Wobei der Plural berechtigt ist, denn in Zagreb ermitteln sowohl die zwölf besten Männer- als auch die acht besten Frauen-Teams des Kontinents den Sieger. Vor allem das Männer-Turnier ist dabei spannend und ausgeglichen wie selten zuvor. Auch die deutsche Mannschaft hat daran ihren Anteil, zum Teil freilich ungewollt. Nach guter EM-Vorbereitung ambitioniert in das Turnier gestartet, unterstrich das verjüngte Team von Bundestrainer Hagen Stamm beim 8:10 gegen Rekord-Olympiasieger Ungarn, dass sein Potenzial größer ist als öffentlich vermutet.

Und das, obwohl man krankheitsbedingt ohne Kapitän Marc Politze und Marko Stamm angetreten war. Nach dem Spiel kamen der Duisburger Paul Schüler mit doppelten Nasenbeinbruch (jetzt mit Gesichtsmaske im Einsatz) und Spandaus Fabian Schroedter mit Verdacht auf Trommelfellriss hinzu. Im zweiten Match gegen die Russen, das 7:6 gewonnen wurde, traf es schließlich den 41-jährige Ausnahmetorwart Alexander Tchigir. Die zentrale Figur für das deutsche Spiels bekam einen Schuss so unglücklich auf das linke Auge, dass er nach drei Vierteln ausgewechselt und von seinem Spandauer Teamkollegen Roger Kong ersetzt werden musste. Er trug Einblutungen am Auge davon.

Am Mittwoch spielte er gegen das bis dahin wie die DSV-Auswahl mit je einem Sieg und einer Niederlage zu Buche stehende Mazedonien trotzdem. Um es vorweg zu nehmen, Tchigir, der die kompletten 32 Minuten Spielzeit im Kasten stand, sah nicht nur scharf, er hatte auch weiterhin geniale Reflexe und schien die Bälle des Gegners mitunter magnetisch anzuziehen. Er war der Garant für den 8:7 (3:1, 3:1, 2:4, 0:1)-Erfolg der Mannschaft von Bundestrainer Hagen Stamm, der dem Team die Chance aufs EM-Viertelfinale offen hält. Zwölf von 19 Schüssen der Mazedonier entschärfte Tchigir. Den letzten eine Sekunde vorm Schlusssignal. Die Deutschen belegen damit derzeit hinter den beiden Favoriten Ungarn und Weltmeister Serbien Platz drei, der den Einzug in die Medaillenrunde sichern würde.

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