Sport : Wasserball: Vernünftige Aggression

Claus Vetter

Peter Röhle hat es nicht einfach. Auf sportlicher Ebene kann kaum ein Gegner mit seinen Wasserfreunden Spandau 04 mithalten. 20-mal sind die Berliner schon Deutscher Meister geworden, "und es ist verdammt schwer", sagt Trainer Röhle, "diese Serie aus den Köpfen der Spieler zu kriegen. Das Umfeld bereitet die Meisterschaftsfeier vor, die Spieler sprechen schon vom Titel, bevor wir überhaupt das Finale gespielt haben." Insofern kann er beruhigt an die heutige Aufgabe herangehen. Da die Erwartungshaltung an sein Team geringer als sonst ist, sind keine Festivitäten vorbereitet. Die nach dem Modus "Best of five" gespielte Finalserie um die Meisterschaft hat sich zu einem Drama mit Überlänge entwickelt, heute müssen die Berliner zum vierten Finale bei Waspo Hannover antreten.

Nach zwei leichten Spandauer Siegen (5:3 und 5:2) in den ersten Partien gab es am Sonntag beim dritten Spiel die erste Niederlage für die Wasserfreunde. 10:7 siegte Waspo und ging dabei bisweilen recht robust zu Werke, wurde dabei sicherlich auch durch das außerordentliche Engagement ihres Trainers Bernd Seidensticker beflügelt. Dessen Eifer war weder zu überhören noch zu übersehen. Hätte Seidensticker für sein Laufpensum am Beckenrand Kilometergeld kassiert, dann hätte er die Schwimmhalle in Schöneberg als Millionär verlassen.

War das Spiel am Sonntag für den Meister Nachhilfe in Sachen Emotionalität? "Nein", sagt Röhle, "unsere Stärke ist es gerade, dass wir keine Extra-Portion Adrenalin brauchen. Wir agieren mit vernünftiger Aggression." Nun, diese Vernunft hat Spandau 04 im dritten Spiel der Finalserie nicht weitergebracht. Auch heute dürfte es vor dem begeisterungsfähigen Publikum im Volksbad Limmer für die Wasserfreunde kaum einfach werden, zumal hinzu kommt, dass Kapitän Patrick Weissinger nach seinem am Sonntag erlittenen Muskelfaserriss fehlen wird. Da Spandau in der Serie 2:1 führt, wäre selbst nach einem Hannoveraner Sieg noch nichts entschieden. Dann würde die Entscheidung auf den Sonntag und nach Berlin vertagt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar