Sport : Wasserball: Wie Bayern im Bad

Claus Vetter

Was haben sie nicht alles versucht, die Wasserballer von Waspo Hannover. 200 Fans zum letzten Finale um die Deutsche Meisterschaft in Bussen nach Berlin chauffiert. Und dann erst im Spiel. Gegner und Schiedsrichter sollten auf allen Ebenen verunsichert werden. Da wurden sogar die Plastikhütchen, eigentlich als Spielfeld-Markierungen gedacht, vom Beckenrand ins Wasser geschleudert. Auch Hannovers Trainer Bernd Seidensticker warf munter mit, solange er noch durfte. Denn irgendwann wurde es den Schiedsrichtern zu bunt, auf der Tribüne der Schwimmsporthalle Schöneberg erlebte der dauerschimpfende Seidensticker das Ende der Partie. Ein für ihn und sein Team bitteres Ende, aller Einsatz erwies sich als vergebene Liebesmüh: Der Champion im Wasserball kommt wieder aus Berlin. Im Stile Bayern Münchens sicherten sich die Wasserfreunde Spandau 04 am Sonntag mit einem 9:8 nach Verlängerung die Deutsche Meisterschaft. Es ist bereits der 22. Meistertitel für die Berliner - davon können selbst die Fußball-Bayern nur träumen.

Der Schlusssirene folgten die althergebrachten Rituale. Trainer Peter Röhle musste samt schmucker Schlabberhose - rot, lila und grün in friedlicher Koexistenz - ins Wasser. 750 Zuschauer jubelten und trommelten so laut, dass der Putz von der Hallendecke rieselte. Es galt einen glücklichen, aber verdienten Erfolg zu feiern. Die Serie zwischen siegesgewohnten Berlinern und aufmüpfigen Hannoveranern ging über die volle Distanz, über fünf Spiele plus Verlängerung. Und dann entschied auch noch ein 4-Meter-Tor über Sieg und Niederlage, ausgerechnet erzielt von Lasse Noerbaek.

Es war das letzte Tor des Dänen mit deutschem Pass für die Wasserfreunde. Über eine Dekade war der 31-Jährige nicht unwesentlich an den Spandauer Erfolgen beteiligt. Als alles feierte, da zog sich Noerbaek in eine Ecke des Schwimmbeckens zurück. Einsame, stille Freude. "Ich habe versucht, noch mal ein paar schöne Spiele abzurufen", erklärte Noerbaek später, "dazu habe ich die Atmosphäre in der Halle genossen. So was werde ich ja nun nicht mehr erleben." Wehmut? Vielleicht das Karierende doch noch mal verschieben? "Nein, ich bin überglücklich. Das war definitiv mein letztes Spiel."

Dass Noerbaeks finaler Auftritt für Spandau kaum dramatischer hätte verlaufen können, lag vor allem an den Berlinern. Die Wasserfreunde vertrödelten in den letzten acht Minuten einen Vier-Tore-Vorsprung, schafften es nicht, in den letzten Sekunden des letzten Viertels den Ball zu halten. Exakt fünf Sekunden und zehn Zehntel vor Ende der regulären Spielzeit gelang Hannovers Sören Mackeben das 8:8. "Eine Sache, die nicht passieren sollte", sagte Spandaus Trainer Peter Röhle später. Selbst Kollege Seidensticker gab zu, dass sein Team den Ausgleich geschenkt bekam: "Das 8:8 hatten wir nicht unserer Stärke zu verdanken, das war ungeschickt von Spandau." In der Verlängerung stellten sich die Spandauer geschickter an. Allen voran Igor Uchal, der den verletzten Alexander Tschigir im Tor vertrat. "Nach dem 8:8 habe ich total abgeschaltet", sagte Uchal, "da dachte ich, jetzt machst du auf ruhig, und das hat geklappt."

Also Meister im Kopf und deshalb auch Meister im Wasser. Wie lange noch? Die spannende Finalserie zwischen den Wasserfreunden und Waspo hat bewiesen, dass der Spandauer Thron nicht mehr in Granit gemeißelt ist. Um die Distanz zur Konkurrenz aus Hannover wieder zu vergrößern, will Spandau 04 trotz schmalen Budgets auf Einkaufstour gehen, schließlich muss zuallererst der Abgang von Noerbaek kompensiert werden. Mit Nationalspieler Christian Ingelath (Rote Erde Hamm) sind die Spandauer schon einig, dazu sollen noch ein ungarischer und ein jugoslawischer Spitzenspieler kommen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben