Wasserfreunde Spandau 04 : Peter Röhle übernimmt

Entlassung als Schutz: Wasserfreunde Spandau schicken ihren Trainer Andras Gyöngyösi mitten in den Play-offs überraschend nach Hause.

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Da war die Welt (nicht mehr) in Ordnung. Gyöngyösi (rechts stehend) gestikuliert, Röhle schaut zu (ganz links hinten).
Da war die Welt (nicht mehr) in Ordnung. Gyöngyösi (rechts stehend) gestikuliert, Röhle schaut zu (ganz links hinten).Foto: Imago

Trainerentlassungen hat es in diversen Sportarten schon aus vielerlei Gründen gegeben. Die von Andras Gyöngyösi, erst seit Anfang der laufenden Saison, bei Wasserball-Rekordmeister Spandau 04 nach dem Sonntags-Halbfinal-Play-off gegen den SSV Esslingen zählt sicher zu denen, für die Normalverbraucher eine Erklärungshilfe brauchen. Denn der Ungar hatte mit seinem Team justament das dritte Match der Best-offive-Serie mit 20:2 gewonnen, was nach den beiden Siegen zuvor (14:4, 23:1) einen Gesamtstand von 57:7 und den Finaleinzug bedeutete.

Das Ende der Zusammenarbeit „mit sofortiger Wirkung“ begründete der Spandauer Präsident Hagen Stamm, der dem Trainer die wenig frohe Botschaft überbrachte, mit „unüberbrückbaren Differenzen“ zwischen Team und Verein auf der einen und dem Coach auf der anderen Seite. Fachlich sei Gyöngyösi wenig vorzuwerfen, aber – so Stamm nebulös und eindeutig zugleich – „zu einem guten Trainer gehört auch eine solide Sozialkompetenz und ein menschlich korrekter Umgang mit allen Spielern“. Den habe der Ungar nicht gehabt, was sich bereits über längere Zeit angedeutet habe. Das bestätigt auch Manager und Co-Trainer Peter Röhle, der nun nach 1997-2006 (mit neun Meisterschaften) erneut als Chefcoach einspringen und die Mannschaft im Final-Four des Pokals (10./11. Mai) und im Meisterschafts-Finale (ab 14. Mai) betreuen wird.

„Der jetzige Schritt kam nicht aus heiterem Himmel“, sagt Röhle, „wir haben unsere Konflikte halt nicht nach außen und in der Öffentlichkeit ausgetragen.“ Schon seit längerem sei klar gewesen, dass man sich mit Gyöngyösi auf keine Fortsetzung des Engagements in der nächsten Saison einigen kann, was bei der Verpflichtung nebst angestrebtem Neuaufbau Ziel gewesen sei. Art und Weise des Trainerumgangs mit einzelnen Spielern habe Scherben hinterlassen, die Differenzen drohten zu eskalieren. „Die Trennung war insofern auch eine Schutzmaßnahme für die Zukunft, denn sonst drohten uns eine Reihe von wichtigen Spielern wegzulaufen, die sich das nicht weiter antun wollten.“

Andras Gyöngyösi vernahm Stamms Verkündung mit Überraschung, aber äußerlich – so Röhle – auch scheinbar souverän und unberührt. Dass die Situation ihn aber nicht so kalt ließ, wie er tat, verdeutlichte, dass es zu keiner Verabschiedung vom Team mehr kam. Die will er nun per Brief vornehmen. Röhle, der seit 1979 an allen Spandauer Erfolgen beteiligt war – 32 Meisterschaften, 27 Pokalsiege, vier Meistercup-Gewinne, zehn nationale und zwei europäische Supercups –, ob als Torwart, Trainer oder Manager, soll nun die Saison zu einem guten Ende bringen. Das heißt: „Wir wollen Meisterschaft und Pokal aus Duisburg nach Spandau zurückholen.“

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