Sport : Wassersuche in der Wüste

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Man stelle sich mal folgendes Szenario vor: Ein renommierter Bundesliga-Trainer, sagen wir Jupp Heynckes oder Jürgen Klopp, will seine Spieler davon überzeugen, wegen der hohen Belastung nicht am nächsten großen Turnier teilzunehmen, in diesem Fall an der Weltmeisterschaft. Man stelle sich weiter vor, diese Forderung wird ganz öffentlich kommuniziert. Unmöglich?

Im Handball ist genau das kürzlich passiert. Martin Schwalb, selbst 193-facher deutscher Nationalspieler und heute Trainer beim HSV Hamburg, legt seinen Stars einen WM-Verzicht nahe. Die deutsche Nationalmannschaft ist davon zwar nur sehr bedingt betroffen, weil der HSV aktuell über exakt null deutsche Auswahlspieler verfügt. Die Forderung an sich zeigt aber, welchen Stellenwert Nationalteams und Länderturniere im Handball mittlerweile einnehmen. Sie werden oft als nervige Last empfunden. Herausragende Spieler wie Kiels Christian Zeitz weigern sich, für das DHB-Team aufzulaufen. Bundestrainer Martin Heuberger muss sich bei Betrachtung des Bundesliga-Spitzenquintetts vorkommen wie ein Mann, der Wasser in der Wüste sucht – nur dass er aus seiner Sicht relevante Spieler sucht.

Der THW Kiel beschäftigt zwei deutsche Nationalspieler, der HSV keinen, die Rhein-Neckar Löwen und die SG Flensburg-Handewitt immerhin je drei. Eine Ausnahme bilden diesbezüglich die Füchse Berlin mit aktuell vier, perspektivisch womöglich noch mehr Nationalspielern, die eine Einladung von Heuberger noch nicht als Last ansehen, sondern als Ehre. So wie es normalerweise sein sollte. Wie gesagt: normalerweise.

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