Sport : "Wasserträger" nimmt erstmals Bad in der Menge

RALF JARKOWSKI

MELBOURNE .Völlig verkorkster Saisonauftakt für Michael Schumacher und ein rabenschwarzer Tag für die abgestürzten "Silberpfeile": Für die Titelfavoriten im 50.Jahr der Formel-1-Weltmeisterschaft endete der turbulente Große Preis von Australien mit Riesenpleiten und viel Frust.Der zweifache Weltmeister kam in Melbourne über den achten und damit letzten Platz nicht hinaus; 14 von 22 Piloten blieben bei der chaotischen Rundenjagd sogar vorzeitig auf der Strecke.Noch dicker kam es für Titelverteidiger Mika Häkkinen und seinen Teamkollegen David Coulthard.Beide McLaren-Mercedes- Piloten schieden vorzeitig aus.Dagegen feierte Eddie Irvine beim spannenden und völlig verrückten WM-Auftakt vor 120 000 Zuschauern überglücklich seinen ersten Grand-Prix-Sieg und linderte dadurch für Ferrari etwas den Schmerz über den Schumacher-"Nuller".Für Heinz-Harald Frentzen und Ralf Schumacher hat sich der Cockpit-Tausch schon ausgezahlt.Der Mönchengladbacher glänzte im Jordan-Mugen-Honda als Zweiter vor "Schumi II" im Williams-Supertec.

"Eddie hat einen fantastischen Job gemacht.Trotz meines ganzen Unglücks ist sein Sieg gut für Ferrari", gratulierte Schumacher seinem treuen "Wasserträger" zum ersten Erfolg im 82.Anlauf und tröstete sich selbst über die eigene Pleite hinweg."Bei dem ganzen Unglück, was mir heute widerfahren ist, muß man da sicher glücklich sein, für ihn und für das Team.Das sind zehn wichtige Punkte, die wir später brauchen können." Der Kerpener hatte das Rennen praktisch schon vor dem Start verloren.Bei der Einführungsrunde blieb der Ferrari F399 zunächst einfach stehen.Schumacher mußte von seinen Mechanikern angeschoben werden und deshalb reglementsgemäß wie schon beim Saisonfinale 1998 in Suzuka vom Ende des Feldes losfahren."Ich konnte den Gang nicht einlegen und hatte Probleme mit dem Lenkrad.Deshalb konnte ich nicht rechtzeitig losfahren", gab der 33malige Grand-Prix-Sieger als Grund für sein Mißgeschick an.

Doch nicht nur "Schumi" erwischte einen klassischen Fehlstart in die Jubiläums-Saison.Beide Stewart-Ford rückten beim ersten Versuch mit qualmenden Motoren keinen Millimeter von der Stelle.Beim fälligen Neustart kam Ex-Weltmeister Damon Hill (Jordan) in seinem 100.Grand Prix keine 500 Meter weit.Der "Rempler" eines Prost- Kollegen verdarb dem Engländer die Jubiläums-Party.

Schumachers Leidensweg auf dem 5,303 Kilometer langen malerischen Stadtkurs im Albert Park fing danach aber erst an.Nach einer bravourösen Aufholjagd mit Rundenbestzeiten am laufenden Band und dank zahlreicher Ausfälle kämpfte sich der 30 Jahre alte Rheinländer bis auf Platz vier vor.Der zweite Rückschlag folgte in der 27.Runde.Wegen eines geplatzten rechten Hinterreifens mußte Schumacher an die Box "schleichen" und fiel dadurch auf den zehnten und letzten Rang zurück.

Der dritte Tiefschlag nach erneut verzweifeltem Anrennen folgte elf Runden später.Erst fuhr Schumacher an seinen verdutzten Mechanikern vorbei durch die Boxengasse.Beim nächsten Halt in der Folgerunde ließ er sich wutentbrannt das Lenkrad austauschen."Das war ein völlig verkorkstes Wochenende", zog er frustriert Bilanz und stellte fest: "Das war ein bißchen zu erwarten, daß McLaren hier Probleme bekommen würde.Daß Ferrari gleich mit Problemen beginnt, damit habe ich allerdings nicht gerechnet."

Seine Hauptwidersacher im WM-Kampf, Häkkinen und Coulthard, waren zu diesem Zeitpunkt längst schon Zuschauer, der Höhenflug der "Silberpfeile" nach Top-Trainingsleistungen und souveräner Doppelführung im Rennen jäh gebremst.Der finnische Champion mußte den MP4-14 nach 22 Runden abstellen."Ich bin schon enttäuscht.Aber es ist eine lange Saison, und wir kriegen die Probleme in Griff", sagte Häkkinen, der im Vorjahr durch seinen Sieg in Melbourne den Grundstein zum WM-Gewinn gelegt hatte.Unangefochten an der Spitze liegend, hatte ihn zunächst eine Safety-Car-Phase in der 15.Runde einen Vorsprung von 18 Sekunden gekostet.Nach Freigabe des Rennens zwei Runden später zog das gesamte Feld an dem konsternierten Finnen vorbei, an dessen McLaren-Mercedes die Drosselklappensteuerung (Gaspedalbetätigung) nicht mehr funktionierte.Verzweifelte Reparaturversuche waren zwecklos; nach 22 Runden mußte Häkkinen aufgeben.

Für Coulthard war schon nach 14 Runden wegen Druckverlustes im Hydrauliksystem Schluß."Ich bin enttäuscht, weil die gute Arbeit des Teams nicht belohnt wurde, sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug traurig.McLaren-Teamchef Ron Dennis pflichtete seinem schwäbischen Partner bei: "Das Ergebnis ist natürlich enttäuschend.Mit der Konkurrenzfähigkeit unserer Autos bis zum Ausfall bin ich aber zufrieden."

Angesichts der Dramen ging Irvines erster Grand-Prix-Triumph im 50.Einsatz für Ferrari fast etwas unter."Fantastisch, überwältigend", jubelte der 33 Jahre alte Ire.Irvine gewann nach 57 Runden über 302,271 km in 1:35:01,659 Stunden (190,852 km/h).Frentzen lag 1,026 Sekunden zurück, Ralf Schumacher 7,026.

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