Sport : Wayne Rooney, Bulldozer

Der stiernackige Stürmer ist Englands Fußballschatz

Mathias Klappenbach

Wayne Rooney fährt einen Ford. Autos wie die seiner Mannschaftskollegen sind noch nichts für den Wunderjungen. Ein Ferrari sei viel zu schnell für einen Fahranfänger wie ihn, sagte der 18-Jährige kürzlich in einem seiner seltenen Interviews. Englands jüngster Erstliga-Torschütze aller Zeiten hält sich zurück, und er wird zurückgehalten. Vor allem sein Verein FC Everton behütet den Stürmer, der schon mit sechzehn Jahren in der Premier League debütierte und nach seiner Einwechslung gleich das entscheidende Tor gegen den FC Arsenal erzielte. Rooney wird dort durch dosierte Einsatzzeiten behutsam aufgebaut.

Die Nationalmannschaft hingegen ist auf die oft entscheidenden, unnachahmlichen Einzelaktionen Rooneys schon bei dieser EM angewiesen. Außer Michael Owen, der lange in einem Formtief steckte, stehen nur noch die Stürmer Darius Vassel (zu ungefährlich vor dem Tor) und Emile Heskey (technisch limitierter Brecher) in Englands Kader. Rooney bildet mit Owen das Sturmduo. „Roonaldo“, wie ihn die Fans in Everton nennen, hält sich aber oft im Mittelfeld auf, um seine Schnelligkeit bei einer überraschenden Attacke auszuspielen.

Dabei mag man zunächst den Eindruck haben, Rooney wolle die Abwehr wie ein Bulldozer überrollen. Man fragt sich in diesen Momenten unwillkürlich, ob Rooney auf einem Rugbyfeld nicht besser aufgehoben wäre und ist nicht überrascht, wenn man hört, dass er aus einer Boxerfamilie kommt und bereits Erfahrungen in diesem Sport gesammelt hat. Aber dank seines tiefen Körperschwerpunktes – die liebevolle Bezeichnung „das Fass“ ist durchaus zutreffend – ist Rooney zu erstaunlichen Täuschungsmanövern fähig, auf die manchmal ein feiner Pass und meist ein sehr harter und sehr präziser Schuss folgt. Wer nicht genau weiß, was mit dem Ausdruck „Zug zum Tor“ beschrieben werden soll, versteht es, wenn er Wayne Rooney gesehen hat.

Die Hoffnung der Engländer, dass heute ausgerechnet der kleine Rooney Frankreichs Abwehrriesen das erste Gegentor seit elf Spielen bescheren wird, ist also nicht unberechtigt. Schon als Kind spielte er immer mit den viel Größeren. In den Jugendmannschaften waren die anderen Kinder meist vier oder fünf Jahre älter als er. Angst, sagt Rooney, habe er nur vor seiner Mutter. Wenn er aus der Reihe tanze, gebe es nämlich etwas hinter die Ohren. Eine echte Boxerfamilie eben.

Bis alle Teams in die Fußball-EM eingegriffen haben, stellen wir aus jeder Mannschaft einen Spieler oder Trainer vor, dem wir eine entscheidende Rolle zutrauen. Morgen: Zlatan Ibrahimovic, Schweden.

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