Wayne Rooney : Der Junge will weg

Wayne Rooney kehrt Manchester United den Rücken, weil er dort keine sportliche Perspektive mehr sieht. Am Mittwoch bestätigte auch der Starstürmer selbst seinen baldigen Abschied vom englischen Spitzenklub.

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LondonAlex Ferguson saß da wie ein Vater, dessen Sohn gerade ausgebüxt ist. „Ja, es ist wahr“, sagte der Trainer von Manchester United am Dienstag mit betrübter Miene in die Kameras, „der Junge will unbedingt weg. Es ist eine große Enttäuschung. Wir sind total schockiert.“ Der Junge, um den es geht, ist Wayne Rooney. Am Mittwoch bestätigte auch der Starstürmer selbst seinen baldigen Abschied vom englischen Spitzenklub. Bei mehreren Treffen mit der Vereinsführung habe er nicht die gewünschten „Zusicherungen über die Zukunft der Mannschaft“ erhalten und nun bezweifelt er offensichtlich, dass der Klub auch künftig Top-Spieler verpflichten kann.

Die Causa Rooney tut dem Verein weh, sowohl sportlich als auch finanziell. Bei den vor Wut kochenden United-Anhängern ist das größte Idol des englischen Fußballs über Nacht zum egoistischen, geldgierigen Verräter geworden. Denn Fergusons Elf ist ohne Rooney, der vergangene Saison 34 Tore erzielte und sein Team ganz alleine vorwärts brachte, deprimierend unspektakulär. Auch weil prominente Abgänge wie Cristiano Ronaldo und Carlos Tevez angesichts von mehr als 800 Millionen Euro Verbindlichkeiten nicht gleichwertig ersetzt werden konnten.

Auf den Transferwert des Stars wirkt sich das amtliche Bulletin zudem denkbar negativ aus. Rooneys Absicht, seinen bis 2012 laufenden Vertrag nicht zu verlängern, zwingt den klammen Klub zu einem frühzeitigen Verkauf, wahrscheinlich schon im Januar. Ein Vereinsinsider vom FC Chelsea kolportierte bereits glaubhaft ein 24-Millionen-Euro-Angebot, auch Real Madrids Trainer José Mourinho zeigt großes Interesse. Außerdem wird Rooney – was den Zorn der ManU-Fans fast ins Unermessliche steigert – mit den neureichen Nachbarn von Manchester City in Verbindung gebracht. „Es gibt keinen Kontakt“, ließ City-Trainer Roberto Mancini verkünden, das ist freilich nicht die ganze Wahrheit. Rooney-Berater Paul Stretford unterhält beste Beziehungen zur Vorstandsetage der Hellblauen. Der Klub der Herrscherfamilie aus Abu Dhabi soll Rooney ein verdreifachtes Jahresgehalt von 14,7 Millionen Euro in Aussicht gestellt haben.

Alex Ferguson hatte den Vorgang öffentlich gemacht, um den vom Rooney-Lager gestreuten Vorwurf der mangelnden Unterstützung im Zuge seiner Prostituierten-Affäre Anfang September zu entkräften. „Der Junge hat uns schon am 14. August mitgeteilt, dass er keinen neuen Vertrag unterschreiben will“, erklärte Sir Alex im Tonfall eines schwer enttäuschten väterlichen Freundes. „Wir standen immer in jeglicher Beziehung hinter ihm. Es gab keinen Streit.“ Über die Darstellung seines einstigen Ziehvaters zeigte sich Rooney am Mittwoch irritiert. „Ich habe mit Interesse gehört, was Sir Alex gestern gesagt hat“, erklärte er. „Einige Dinge haben mich überrascht.“

Die Tür für einen Sinneswandel sei weiter offen, erklärte Ferguson dennoch. Beim 1:0-Sieg im Champions-League-Spiel gegen Bursapor am Mittwoch konnte Rooney die Friedensofferte jedoch leider nicht annehmen. United-Ikone Paul Scholes, ein treuer Ferguson-Adlatus, hat den Abtrünnigen mit einer – bestimmt unglücklichen – Grätsche im Training einstweilen aus dem Verkehr gezogen.

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