Sport : Wechsel von Berlin nach Bonn nicht bereut

SEBASTIAN ARLT

Der Basketballer Sebastian Machowski ist am Rhein zum Leistungsträger gereiftVON SEBASTIAN ARLT BERLIN.Nein, von einer Genugtuung wollte Sebastian Machowski nicht sprechen, als ihm nach dem überraschenden Erfolg der Bonner Basketballer bei Alba Berlin am vergangenen Sonntag in der Schmeling-Halle immer wieder dieselbe Frage gestellt wurde.Natürlich war der Erfolg der Telekom Baskets, die damit den Berlinern fürs erste die Meisterschaftsfeier verdorben hatten (drei Siege werden für den Titelgewinn benötigt), für den gebürtigen Berliner eine tolle Sache, aber auch nicht mehr."Schließlich bin ich nicht im Bösen von Alba geschieden." Nach der vergangenen Saison sei in Gesprächen mit Alba-Coach Svetislav Pesic sehr schnell klar gewesen, "daß ich nicht mehr in sein Konzept passe".Der Trainer habe Platz für jüngere Spieler schaffen wollen.Die Zeit bei Alba war vorbei, in der der Gewinn des Korac-Pokals 1995 sicherlich der Höhepunkt in Machowskis Karriere war.Im Herbst 1992 wurde er einmal für kurze Zeit in den Kader der Nationalmannschaft berufen.Gesundheitliche Probleme hatten ihn vor allem im letzten Alba-Jahr jedoch immer wieder zurückgeworfen. Wohin nun? Mit einigen Vereinen habe er damals Gespräche geführt, auch mit Bayer Leverkusen."Aber ich dachte, daß ich wohl am besten in die Bonner Mannschaft passen würde." Das Gefühl hat den 25jährigen nicht getrogen, der das Basketball-Einmaleins bei TuS Lichterfelde gelernt hatte, von wo er im Sommer 1991 zu Alba gewechselt war.Nie und nimmer hatte er sich zu Saisonbeginn vorstellen können, mit seinem neuem Klub, dem Aufsteiger, gleich in die Finalspiele gegen seinen ehemaligen Klub, den Favoriten, zu kommen.Die vierte Auflage dieser Auseinandersetzung findet am Sonnabend (B 1 berichtet ab 14 Uhr live) in Bonn statt.Für Machowski und die Bonner hat sich nichts geändert: "Wir haben nichts zu verlieren." Als Sebastian Machowski im vergangenen Sommer an den Rhein kam ("Das ist ja eher atypisch, daß ein Berliner nach Bonn geht"), mußte sich der Zwei-Meter-Mann erst einmal gewaltig umstellen."Bonn ist doch eher Provinz, da werden um zwölf Uhr die Bürgersteige hochgeklappt." Doch schließlich ist Köln nah, "man braucht von Bonn aus dahin auch nicht länger als von Steglitz nach Prenzlauer Berg".Der Wechsel unter sportlichen Gesichtspunkten: War er in Berlin sechster oder siebter Mann mit etwas mehr als 15 Minuten durchschnittlicher Einsatzzeit, ist er in Bonn zum Leistungsträger (Durchschnitt: etwa 27 Minuten) gereift."In dieser Rolle mußte ich mich erst einmal zurechtfinden." Was ihm ohne große Schwierigkeiten schnell gelang.In 38 Spielen erzielte er beispielsweise 385 Punkte, am Sonntag waren es 17 gewesen.Von den letzten acht Punkten der Bonner im "Krimi" in der Schmeling-Halle gelangen ihm fünf. In Bonn sei ihm entgegengekommen, daß sein Trainer Bruno Soce dieselbe Basketball-Philosophie vertritt wie Pesic in Berlin: Defensive über alles, Training, Training, Training.Ansonsten aber sei zwischen den Freunden Soce und Pesic ein "Unterschied wie Tag und Nacht" festzustellen."Pesic ist viel autoritärer, während Soce manches mit mehr Humor sieht." Sebastian Machowski ist sich jedoch sicher: "Pesic hat sicherlich vor dem Wechsel mit Soce über mich gesprochen - und hat mir ein gutes Zeugnis ausgestellt."

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