Wechsel von Toni Kroos : Er muss doch nur spielen

Michael Rosentritt über den Abgang von Toni Kroos bei den Bayern.

Michael Rosentritt

Der FC Bayern ist über seinen Schatten gesprungen und hat Toni Kroos die Freigabe für einen befristeten Wechsel zu Bayer Leverkusen erteilt. Das ist nicht nur eine gute Nachricht für Bayer Leverkusen, sondern vor allem für diesen begabten jungen Mann selbst.

Toni Kroos ist gerade 19 geworden und nicht an seinem Talent gescheitert beim FC Bayern, sondern an den Gegebenheiten. Der neue Trainer Jürgen Klinsmann, ein bekennender Jugendförderer, startete mit Kroos in die Saison. Aber als irgendwann im September die erwarteten Ergebnisse ausblieben, brach Klinsmann seine forsche Revolution auf halbem Weg ab. Er hatte ans Gewinnen zu denken, nicht an die Jugend.

Natürlich hat Toni Kroos nichts eingebüßt von seinem Talent. Vor zwei Jahren ist er bei der U-17-WM zum besten Spieler gewählt worden. Diese Auszeichnung hat er mit Größen wie Ronaldinho, Messi, Fabregas, Owen und einem gewissen Deisler gemein. Sie alle haben mit 17 den Sprung zu den Profis geschafft. Als Kroos im Herbst 2007 erstmals die Bayern und die Öffentlichkeit verzückte, erteilte Uli Hoeneß dem jungen Profi ein Interviewverbot. Die Bayern versteckten Kroos, weil sie nicht wollten, dass es ihm ähnlich ergeht wie einst Sebastian Deisler, der unter dem Druck der Öffentlichkeit zerbrach.

Nur: Verstecken ist schön, aber nicht mehr stattfinden lassen? Das geht für einen wie Kroos nicht. Für Spieler seines Alters und seiner Qualität ist es nicht so wichtig, wo sie spielen, sondern dass sie spielen. Der junge Owen und der junge Messi waren bei ihren Spitzenklubs im Dauereinsatz, Kroos dagegen musste bei den Bayern Ribéry weichen. Deshalb ist es richtig, dass er nun ausweicht.

Den Bayern könnte das auch ganz gut tun. Sie haben 2003 Philipp Lahm nach Stuttgart ausgeliehen. Zwei Jahre später kam als ausgehärteter Profi zurück.

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