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Wechsel zu Paris Saint-Germain : Neymar will endlich raus aus dem Schatten von Lionel Messi

Paris Saint-Germain lässt sich Neymar insgesamt etwa 800 Millionen Euro kosten. Der Brasilianer soll sich schon vom FC Barcelona verabschiedet haben.

Bald nicht mehr Arm in Arm: Lionel Messi (links) und Neymar.
Bald nicht mehr Arm in Arm: Lionel Messi (links) und Neymar.Foto: Eugene Hoshiko/AP/dpa

Nicht weniger als der Eiffelturm darf es sein. Vor dem Wahrzeichen von Paris soll Neymar da Silva Santos Junior, kurz Neymar, dieser Tage präsentiert werden. Ganz pompös, vor Tausenden von Fans, so wie es sich für den teuersten Fußballspieler der Welt gehört. Dass Neymar diese Bezeichnung bald tragen wird, daran gibt es kaum noch Zweifel. Der 25 Jahre alte Stürmer wird vom FC Barcelona zu Paris Saint-Germain wechseln. Für die festgeschriebene Ablösesumme von 222 Millionen Euro. Weltrekord, natürlich.

Am Mittwochmorgen soll Neymar hat seinen Wechsel seinen Noch-Teamkollegen vom FC Barcelona bestätigt haben. Das teilte der Verein spanischen Medienberichten zufolge am Mittwoch mit. Gegen 9 Uhr fuhr der Brasilianer mit einem blauen Sportwagen eines deutschen Herstellers auf dem Trainingsgelände Ciutat Esportiva Joan Gamper vor. Wie die Sportzeitung „As“ auf ihrer Homepage berichtete, verabschiedete sich Neymar 42 Minuten später.

Mit Erlaubnis von Trainer Ernesto Valverde nahm der Südamerikaner auch schon nicht mehr am Training teil. In der Zwischenzeit soll der 25-Jährige seine Kollegen um Lionel Messi und den deutschen Nationaltorwart Marc-André ter Stegen in der Kabine über den unmittelbar bevorstehenden Wechsel informiert und sich verabschiedet haben.

Die Zeitung „Le Parisien“ hatte zunächst berichtet, Neymar werde nach einem Werbeauftritt für den FC Barcelona am Dienstagabend aus China nach Paris fliegen. Er selbst äußerte sich in China nicht zu den Wechselgerüchten. Die Details dieses Deals sind abenteuerlich. Neymar soll mit der Qatar Sports Investment einen Sponsorendeal über 300 Millionen Euro abschließen.

Im Gegenzug wird er offizieller Botschafter der WM 2022 in Katar. Das ist aber nur ein Vorwand. Die Qatar Sports Investment gehört jener Investorengruppe an, die die Geschicke bei Paris Saint-Germain lenkt. Durch den Deal soll Neymar in der Lage sein, die vertraglich festgelegte Ausstiegsklausel selbst zu bezahlen. Rein formal müssen Spieler in Spanien dafür selbst aufkommen. So will es der Ligaverband.

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Bleibt immer noch ein nettes Handgeld von 78 Millionen Euro. Sowie 26 Millionen Euro, die Neymar angeblich laut Vertrag zustehen, falls er den FC Barcelona nicht vor dem 31. Juli 2017 verlässt. Überhaupt die Zahlen. Insgesamt wird der Wechsel Paris um die 800 Millionen Euro kosten. Auf die 222 Millionen kommt noch die Mehrwertsteuer, macht 268 Millionen. Kolportiert wird ein Jahresgehalt von 30 Millionen netto, was für den Klub rund 90 Millionen macht, da französische Vereine den Spitzensteuersatz von 69 Prozent zahlen müssen. Das Ganze mal fünf, so lange soll der Vertrag laufen, macht dann plus Ablöse 718 Millionen.

Da fehlt aber noch das Handgeld für Neymars Vater, der als sein Berater fungiert, sowie der Wert eines Spielers, den Barcelona im Gegenzug erhalten möchte. Ganz oben auf der Wunschliste steht Marco Verratti, aber das dürfte schwierig werden. Andere Kandidaten sollen laut „Mundo Deportivo“ Adrien Rabiot, Angel di Maria und auch Julian Draxler sein. Dass Paris im Zuge des Financial Fair Play Spieler abgeben muss, ist unumgänglich. Und selbst dann dürfte es nahezu unmöglich sein, die Auflagen der Uefa zu erfüllen.

Erstmals zahlt ein Verein eine der enormen Ausstiegsklauseln

Spaniens Ligaboss Javier Tebas kündigte bereits an: „Wir werden Paris bei der Uefa anzeigen, und wenn sie uns da nicht ernst nehmen, gehen wir bis zum Gericht in der Schweiz, dann Brüssel und wir schließen auch nicht Frankreich und Spanien aus.“ Ein ehemaliger Spieler, der gute Kontakte zu verschiedenen Gremien pflegt, sagt: „Intern beschäftigt man sich schon mit Alternativen, der Wechsel ist praktisch durch.“ Erste Option als neuer Partner für Lionel Messi und Luis Suarez ist Paulo Dybala von Juventus Turin. Barcelonas Präsident Josep Bartomeu hatte auf der Amerikareise einen Abschied des Stürmers angedeutet. „Wenn Neymar gehen will, dann zahlt er die Klausel bis auf die letzte Pesete.“

Den FC Barcelona trifft der Wechsel schwer. Es ist das erste Mal, dass tatsächlich ein Verein eine der enormen Ausstiegsklauseln bezahlt, mit der die Katalanen ihre Spieler binden. Lange galt das als unmöglich. Der Vertrag des Brasilianers lief noch vier Jahre und intern war klar, dass er nach Messis Abtritt das Gesicht des Klubs werden sollte. Nur will Neymar nicht mehr so lange warten. Es ist längst ein offenes Geheimnis, dass ihm die offizielle Sprachregelung Barças missfällt. Jüngst erst hatte ihn Bartomeu als „zweitbesten Fußballer der Welt“ bezeichnet.

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Was als Kompliment gemeint war, kommt bei Neymar als vergiftetes Lob an. Das ewige Verneigen vor Messi vertrage sich nicht mehr mit seinem Ego, neben all dem Geld spielt auch Neid und verletzte Eitelkeit mit hinein. Aus seinem Umfeld heißt es, Neymar wolle endlich als Anführer und Nummer zehn wahrgenommen werden. Die Champions League strebe er mit Paris an, nur so könne er aus dem Schatten Messis und Ronaldos treten und endlich selbst den Goldenen Ball für den Weltfußballer gewinnen.

„Der beste Spieler der Welt im selben Team mit Messi zu werden, ist sehr schwierig. Ihm ist es wichtig, seine eigene Mannschaft zu haben“, sagte Draymond Green. Der Basketballstar der Golden State Warriors zählt zu Neymars Freunden und weilte am Sonnabend beim Spiel zwischen Barcelona und Real Madrid in Miami, vermutlich dem letzten des Brasilianers im Trikot des FC Barcelona. Das Ende seiner Zeit in Katalonien ruft nicht nur in Paris Freude hervor.

Auch bei Real dürften sie über die Schwächung des Rivalen froh sein. Sportlich mag das zwar auch stimmen, bei Reals Präsident Florentino Perez wird der Wechsel dennoch bittersüße Gefühle hervorrufen. Perez, der gern Rekordtransfers für sich beansprucht, dürfte in Zukunft Mühe haben, die 222 Millionen Euro zu überbieten.

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