Wechsel zu Paris St. Germain : Wie Julian Draxler seine Karriere verplant hat

Julian Draxler hat zuletzt kaum noch richtige Entscheidungen getroffen. Und auch der Wechsel von Wolfsburg nach Paris ist nur auf den ersten Blick ein Fortschritt. Ein Kommentar.

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Endlich am Ziel. Julian Draxler darf Wolfsburg verlassen.
Endlich am Ziel. Julian Draxler darf Wolfsburg verlassen.Foto: dpa

Vermutlich ist es wie so vieles im Leben eine Frage der Perspektive und damit Ansichtssache: Hat der VfL Wolfsburg mit dem Verkauf von Julian Draxler an Paris St. Germain nun ein gutes Geschäft gemacht? Oder haben die Wolfsburger in Wirklichkeit unglaublich viel Kapital vernichtet? Für 42 Millionen Euro wechselt der Nationalspieler zum Tabellendritten der französischen Ligue 1. Im Sommer noch soll PSG angeblich 75 Millionen Euro für Draxler geboten haben.

Trotzdem hat der VfL vieles richtig gemacht. Es war richtig, Draxler im Sommer nicht gehen zu lassen, obwohl der sich wie ein bockiges Kind benommen hat, und damit das Risiko einzugehen, dass Draxler mit ostentativer Lustlosigkeit reagieren würde. (Was er ja dann auch auf beeindruckende Weise getan hat.) Die Wolfsburger sind dank ihres Geldgebers VW (noch) in der Lage, solche Erpressungsversuche eines ihrer Angestellten ins Leere laufen zu lassen. Natürlich weiß der VfL, dass er trotz eines international konkurrenzfähigen Gehaltsniveaus immer ein Ausbildungsverein für noch größere Adressen bleiben wird. Aber ein bisschen Mitsprache, wer den Klub wann und zu welchen Bedingungen verlässt, darf er ruhig für sich in Anspruch nehmen.

Genauso richtig war es vom VfL, Draxler in diesem Winter doch noch abzugeben. Sein sportlicher Wert hat in der Hinrunde gegen null tendiert – und trotzdem haben die Wolfsburger jetzt sogar mehr Geld für Draxler bekommen, als sie vor anderthalb Jahren für ihn ausgegeben haben. Das wäre im nächsten Sommer wohl nicht mehr der Fall gewesen.

Dass sich der Wert des Offensivspielers in nicht mal sechs Monaten nahezu halbiert hat, sagt natürlich etwas über den mangelnden Geschäftssinn des VfL; es sagt aber vor allem etwas über Draxler und seinen Charakter. Julian Draxler hatte mal den Ruf eines mündigen, klugen jungen Mannes, der sich kritisch mit den Gefahren des Profifußballs auseinandergesetzt hat. Gleich zu Beginn seiner Karriere hat er sich dem Wunsch seines damaligen Schalker Trainers Felix Magath widersetzt, die Schule ohne Abschluss zu verlassen, um sich voll und ganz auf den Fußball zu konzentrieren. Seitdem hat Julian Draxler nicht mehr allzu viele richtige Entscheidungen getroffen.

Auch der Wechsel nach Paris ist nur auf den ersten Blick ein Fortschritt. Sicher, im Februar wird Draxler mit PSG gegen den FC Barcelona in der Champions League antreten. Aber das könnte ein singuläres Vergnügen bleiben; der Ligaalltag in Frankreich wird Draxler nicht zwingend voranbringen. So wie ihn der Wechsel von Schalke 04 zum VfL Wolfsburg definitiv nicht vorangebracht hat. Auch mit inzwischen 23 ist Draxler nicht mehr als ein Versprechen – weswegen seine Karriereplanung als Beispiel taugt, wie man es nicht machten sollte: Julian Draxler hat sich zu oft von vordergründigen Verlockungen leiten lassen, nicht von der Frage, wie er der beste Fußballer wird, der er mit seinen Anlagen sein könnte. Nein: sein müsste.

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