Sport : Wechseln erlaubt

Das deutsche Team startet in die WM ohne Velyky, auf den der Bundestrainer für die Hauptrunde hofft

Hartmut Moheit

Berlin - Eine Entscheidung ist bereits gefallen: Heiner Brand wird sich diesmal auf keinen Fall von seinem Oberlippenbart trennen. „Der Gag ist längst verpufft“, sagt der deutsche Handball-Bundestrainer jedem, der ihn damit auf einen möglichen Erfolg seines Teams bei der heute beginnenden Handball-WM anspricht. Was sich nach dem EM-Sieg 2004 in Slowenien im Rahmen der feucht-fröhlichen Feiern als besonderer Höhepunkt herausstellte, davon ist die deutsche Nationalmannschaft diesmal ohnehin noch sehr weit entfernt. „Das ist keine Floskel, wenn ich sage, wir müssen bei dieser WM wirklich von Spiel zu Spiel denken“, ergänzt der Gummersbacher Brand, der das Team nunmehr seit zehn Jahren führt.

Ein Vorteil für die Deutschen in der Gastgeberrolle ist zweifellos, dass sie mit vermeintlich leichten Spielen in das Turnier starten können. Die Fußballer würden vor Brasilien als Auftaktgegner zittern, für das Team um Kapitän Markus Baur ist der Panamerikameister hingegen der ideale Aufbaugegner. Beim ersten Heimspiel einer Weltmeisterschaft seit 25 Jahren in der seit Monaten ausverkauften Max-Schmeling-Halle in Berlin (17.30 Uhr/live im ZDF) ist ein Sieg im Beisein von Bundespräsident Horst Köhler fest eingeplant.

„Die ersten beiden Spiele sind die, die uns gut ins Turnier bringen sollen“, erklärt auch Torhüter Henning Fritz, der heute gegen Brasilien sein 200. Länderspiel bestreiten wird. In der zweiten Partie treffen die Gastgeber am Sonntag in Halle/Westfalen auf die nicht stärker einzuschätzenden Argentinier.

Aber dann! „Wir sind gut vorbereitet, ich erwarte eine tolle Atmosphäre“, sagte Heiner Brand gestern in Berlin ganz allgemein, als er sich auf 17 Spieler, von denen heute noch einer aus dem Aufgebot gestrichen wird, für die Vorrunde festlegte. Mit dem dritten Spiel am kommenden Montag gegen Polen beginnt für die Deutschen der Ernst bei dieser WM. Zunächst ohne Oleg Velyky, den immer noch verletzten Rückraumspieler aus Kronau/Östringen. „Seine Genesung macht aber enorme Fortschritte“, berichtete Brand gestern, „es gilt das Prinzip Hoffnung.“ Und das Reglement ist mit ihm. Nach Vor- und Hauptrunde können jeweils zwei Spieler ausgetauscht werden. So bleiben neben Velyky auch Rolf Hermann (Lübbecke) und Michael Hegemann (Lemgo) aus dem 20er-Aufgebot beim Team. Die letzte Entscheidung, wer zunächst die Vorrunde bestreiten darf, fällt zwischen Michael Haaß (Kronau/Östringen) und Stefan Schröder (Hamburg).

Ein Novum ist, dass Brand mit drei Torhütern in die Vorrunde startet; zwar nahm er immer drei Keeper mit, ließ aber einen immer auf der Tribüne sitzen. Wenn er sich nun zu dieser Maßnahme durchringt, die ihm weniger Optionen auf dem Feld eröffnet, dann darf man das als Beleg dafür werten, dass seine Nummer eins im Tor, Henning Fritz (THW Kiel), noch nicht die gewünschte Form erreicht hat.

Trotz aller Unwägbarkeiten, die der Handball bietet, gilt der zweimalige Weltmeister Deutschland als Favorit für das Eröffnungsspiel, hat Brasilien mit Renato Rui (Wilhelmshaven) doch nur einen Profi in seinen Reihen. Und als bestes Ergebnis stand bisher lediglich ein 16. WM-Platz 1999 in Ägypten zu Buche. Die letzten Testspiele, als die Südamerikaner in Spanien nur mit zwei Toren gegen Russland und mit einem Tor gegen den deutschen Gruppengegner Polen verloren, haben zumindest Brand gewarnt.

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