Sport : Wechseln im Kreis

Vor dem Rennen in Kanada streiten sich die Formel-1-Teams um Motoren und Fahrer für die nächste Saison

Karin Sturm

Montreal - Normalerweise beginnt auf der Nordamerika-Tour der Formel 1 immer das wilde Kreiseln des Fahrerkarussells. In diesem Jahr dreht sich vor dem Großen Preis von Kanada in Montreal alles um die Motoren für das nächste Jahr. Das Hauptinteresse richtet sich dabei auf das Dreieck BMW-Williams, Sauber und BAR-Honda. Der Münchner Motorenlieferant spielt eine zentrale Rolle: dass BMW 2006 neben Williams auch Sauber mit seinen Motoren ausrüstet, scheint beschlossene Sache. Die Frage ist nur, ob die Bayern ihr Engagement auf die reine Motorenlieferung beschränken oder sich vielleicht doch als neuer Teamteilhaber präsentieren werden. Wodurch eine weitere Frage aufgeworfen wird: Wird die Partnerschaft zwischen BMW und Williams unabhängig von der Sauber-Entscheidung diese Saison überdauern? BMW-Motorsport-Direktor Mario Theissen und auch Williams-Technikchef Sam Michael erklären jedenfalls, bereits gemeinsam am Auto für 2006 zu arbeiten. Vor allem für Williams würde es sehr knapp, jetzt noch den Motorenpartner zu wechseln und möglicherweise deshalb noch einmal sehr spät massive Änderungen am neuen Chassiskonzept vornehmen zu müssen.

Teamchef Frank Williams sieht das offenbar nicht so. Er hat eher Bedenken, dass sein Rennstall bei BMW bald nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Vor allem fühlt Williams sich wohl in seinem Stolz verletzt, weil aus München des öfteren deutliche Kritik am Auto zu vernehmen war. Sein Verhältnis zu Theissen ist gespannt. So hat Williams schon Kontakt zum japanischen Motorenhersteller Honda aufgenommen, mit dem er schon in den 80er Jahren Weltmeister wurde.

Honda zeigt sich durchaus interessiert. Die Firma ist seit der Tankaffäre in Imola sehr verärgert über den jetzigen Partner BAR. Sie fühlt sich getäuscht, weil BAR Honda gegenüber die Tricksereien mit einem zusätzlichen Tank als legal dargestellt habe, und sieht das eigene Image massiv beschädigt. Formel-1-Chef Bernie Ecclestone rät den Japanern offen, sich so schnell wie möglich von BAR zu trennen – und mit ihrem Wunschfahrer Jenson Button zu Williams zu gehen.

Womit die Fahrer doch noch ins Spiel kommen: Gingen Button und Honda zu Williams, müsste sich Nick Heidfeld trotz zuletzt starker Leistungen einen neuen Arbeitsplatz suchen. Er hat nur einen Einjahresvertrag bei Williams, Teamkollege Mark Webber einen für zwei. Ein mögliches Szenario: BMW nimmt Heidfeld mit zu Sauber, von dort könnte Felipe Massa zu Ferrari wechseln. Rubens Barrichello hat nach seinen kritischen Worten offenbar keine große Zukunft mehr als Teamkollege von Michael Schumacher. Der Brasilianer könnte bei BAR auf Buttons Platz Unterschlupf finden – womit der Kreis geschlossen wäre.

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