Sport : Weder Schrott noch Zauber

Bayern profitiert von Leverkusens Schwäche

Erik Eggers

Bayern profitiert von Leverkusens Schwäche Leverkusen - Ausgesprochen aufgeräumt spazierte Uli Hoeneß am frühen Samstag Abend durch die Bayarena. Ein Dauergrinsen hatte das Gesicht des Bayern-Managers erfasst nach dem spektakulären 3:2-Auswärtssieg bei Bayer Leverkusen. Aber sprechen wollte Hoeneß nicht. Alle Interviewwünsche blockte er kategorisch ab. „Ich sage heute gar nix“, sagte er, mokant lächelnd. Selbst das Argument, das Team habe doch gut gespielt, stimmte ihn nicht um: „Da stimmt. Sehr gut sogar, aber das habt Ihr alle ja selbst gesehen.“

Die Einschätzung, Bayern habe eine sehr gute Leistung geboten, hatte der Manager allerdings recht exklusiv. „Es war kein Schrottfußball, es war aber auch kein Zauberfußball“, sagte Felix Magath. Bayerns Trainer hatte vor allem die Entschlossenheit gefallen, mit der sein Team das 2:1 der Leverkusener durch Athirson zehn Minuten vor Schluss beantwortet hatte: Mit Wut in den Beinen hatten die Bayern eine ganze Salve von Flanken in den Strafraum geschlagen und innerhalb von nur 170 Sekunden die Partie durch Tore von Demichelis und Pizarro gedreht. „Die Art und Weise ist wichtig: Wir sind zurückgekommen nach einem 1:2, haben Moral bewiesen“, freute sich Magath.

Des Trainers Schluss, auf einem guten Weg zu sein, „wieder der alte FC Bayern zu werden“, erschien angesichts des vorherigen Spielverlaufs aber verwegen und eher als Versuch einer rhetorischen Selbsttherapie. Die Überlegenheit der Bayern in der ersten Halbzeit, von der Magath hinterher sprach, musste gehörig relativiert werden. Befindet sich Leverkusen doch seit Wochen in einem Zustand der Orientierungslosigkeit: Benötigt die Mannschaft einen Sieg, um zur Tabellenspitze aufzuschließen, verliert sie. Wenn aber eine weitere Niederlage Abstiegsgefahr bedeutet, gewinnt sie. Zupass kam den Bayern auch, dass Leverkusen es mit dem dämlichsten aller taktischen Mittel gegen die großen van Buyten und Demichelis versuchte – mit hohen Flanken auf den körperlich unterlegenen Woronin.

Bei Bayern scheiterte die Maßnahme, Sebastian Schweinsteiger im zentralen Mittelfeld aufzustellen. „Die Rolle ist neu für ihn. Sie kann ihm liegen, da er ballsicher ist“, sagte Magath. Und dann gestand der Trainer, dass der Findungsprozess nach den Abgängen von Michael Ballack und Zé Roberto noch andauert. „Spieler wie diese muss man erst einmal auffangen“, sagte Magath. „Wir sind nicht konstant genug.“ Stürmer Roy Makaay drückte es deutlicher aus: „Gegen andere Gegner geht’s dahin.“

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