Sport : Wegen Ausländerfeindlichkeit: Dessaus Präsident tritt zurück

-

Berlin - Oguzcan Demirtas traute seinen Ohren kaum. Beim Spiel des Dessau-Roßlauer HV am Samstag in Potsdam hörte der türkische Präsident des Handball-Zweitligisten aus Dessau von der Tribüne aus Richtung der eigenen Fans den Sprechchor: „Ohne Türken haben wir eine Chance.“ Demirtas hatte genug, allerdings erst zwei Tage später. „Bis Montagnachmittag hatte sich keiner bei mir entschuldigt“, sagt er. Er sei deshalb am Abend als Klubpräsident zurückgetreten.

Der Unternehmer aus Dessau, der 35 seiner 39 Lebensjahre in Deutschland und viele davon in Bremen verbracht hat, sagt, dass der Vorfall von Potsdam nicht der erste dieser Art gewesen sei: „Besonders schlimm war, dass das Lied vom stellvertretenden Vorsitzenden des Fanklubs angestimmt wurde. Das gehört sich nicht.“ Nach zwei Jahren als Präsident sei er zurückgetreten in der Hoffnung, „dass nun Position bezogen wird“, sagt Demirtas. Die Stadt Dessau hat das bereits getan. Oberbürgermeister Karl Gröger verurteilt die Vorkommnisse in einer offiziellen Stellungnahme „auf das Schärfste“. Zudem ermittelt die Staatsanwaltschaft Dessau. Der Vorfall wird von Fanklubseite nicht bestritten, aber relativiert, Fanklubchef Bernd Schicker sagte: „Ein Angetrunkener hat diese Dummheit begangen. Wir haben ihn relativ schnell zur Ruhe bringen können und ihn am Montag aus unserem Fanklub ausgeschlossen.“

Es war nicht der erste Fall von Ausländerfeindlichkeit, in die ein Dessauer Handballfan verwickelt war. Im November beschimpften Dessauer Fans den dunkelhäutigen Spieler Marvin Nartey von HC Empor Rostock als „schwarze Sau“ und „Nigger“. Danach hatte die Handball-Bundesliga (HBL) Maßnahmen angekündigt: Es sollten nur noch erfahrene Schiedsrichter in Dessau eingesetzt werden, die Spiele in Sachsen-Anhalt unter besonderer Beobachtung stehen. Zudem hatte HBL-Spielleiter Uwe Stemberg angekündigt: „Sollte es noch einmal ähnliche Vorfälle geben, wird es zum Spielabbruch kommen.“

Am Montag spielen die Füchse Berlin gegen Dessau. Nicht nur deshalb hat sich ihr Manager Robert Hanning auch für den jüngsten Fall interessiert. „Ich habe mit Toni Kern gesprochen, der von Dessau zu uns wechseln wird, der hat mir den Vorfall bestätigt“, sagt er. Hanning besitzt immer noch das T-Shirt mit dem Aufdruck: „Kein Rassismus beim Handball“. Mit diesen Shirts waren seine Spieler gegen Rostock zu ihrem Punktspiel am 19. November 2006 zum Aufwärmen erschienen, nachdem vier Tage zuvor der erste ausländerfeindliche Vorfall passiert war.

Der türkischstämmige, ehemalige Bundesligatorwart Bülent Aksen sagt zu den Vorfällen beim Klub aus Dessau: „Im Handball ist so etwas eigentlich nicht an der Tagesordnung.“ Zumal in Dessau vier Ausländer im Team sind: ein Argentinier, zwei Letten sowie ein Spanier. Trainer Georgi Swiridenko stammt aus Weißrussland. Swiridenko, 1988 Olympiasieger mit der UdSSR, sagt zu dem Vorfall: „Ich habe das selbst nicht gehört, ich war zu sehr mit meinem Team beschäftigt.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben