Wegen Unruhen in Tibet : Demonstranten stören Olympia-Zeremonie

Das berühmteste Feuer der Welt brennt wieder: Im griechischen Olympia ist mit einem Hohlspiegel die olympische Fackel entzündet worden - doch die Zeremonie wurde auch von Protesten begleitet. Der Deutsche Olympische Sportbund schließt unterdessen einen Boykott der Spiele aus.

OlympiaDas Olympische Feuer für die Spiele in Peking ist am Montag entfacht worden. Das Zeremoniell fand in der antiken Stätte von Olympia auf der Halbinsel Peloponnes statt. Die Flamme wurde trotz zum Teil bewölkten Himmels mit einem Hohlspiegel und mit Hilfe der Sonnenstrahlen entzündet, wie das griechische Fernsehen (NET) zeigte. "Wir schicken heute die Nachricht des Olympischen Waffenstillstandes", sagte der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, Jacques Rogge. "Die Olympischen Spiele müssen  in einer friedlichen Umgebung stattinden."

Während der Zeremonie versuchten drei Männer, sich unerlaubt der Tribüne zu nähern, auf der gerade der Chef des chinesischen Olympischen Komitees, Liu Qi, sprach. Es habe sich um Mitglieder der Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) gehandelt, sagte Thomas Jacobi, ein RSF-Aktivist in Griechenland. Einer der Männer hatte genügend Zeit, um ein Spruchband mit der auf China gemünzten Aufschrift "Boykottiert das Land, das auf den Menschenrechten herumtrampelt" zu entrollen. Ein anderer Aktivist schrie hinter der Tribüne "Freiheit, Freiheit". Angesichts der Unruhen in Tibet hatten mehrere Organisationen auf den Stationen des Fackellaufs Proteste angekündigt. Daraufhin wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft.

DOSB schließt Boykott der Olympischen Spiele aus

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat derweil einen Boykott der Olympischen Spiele in Peking ausgeschlossen. Der DOSB werde "nach Abwägung aller Argumente und in Wahrnehmung seiner Verantwortung gegenüber den Athleten eine Mannschaft zu den Olympischen Spielen 2008 entsenden", teilte die Dachorganisation des deutschen Sports am Montag in Frankfurt am Main mit.

Der DOSB betrachte "mit großer Aufmerksamkeit und Sorge die Entwicklung in Tibet und in angrenzenden Provinzen", hieß es in einer von DOSB-Präsident Thomas Bach und -Generaldirektor Michael Vesper unterzeichneten Presseerklärung. Man habe die Fragen eines Olympia-Boykotts auch mit den Menschenrechtsorganisationen "Amnesty International" und "Human Rights Watch" erörtert. Auch diese hätten sich gegen einen Olympia-Boykott ausgesprochen.

Bergsteiger bringen Olympia-Fackel trotz Unruhen auf den Everest

In Peking haben unterdessen chinesische Bergsteiger angekündigt, die olympische Fackel trotz der Unruhen in Tibet auf den Gipfel des Mount Everests bringen zu wollen. "Wir sind bereit für die Herausforderung. Die Unruhen in Lhasa werden unseren Plan nicht ändern", zitiert die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua den 29 Jahre alten Bergsteiger Pemba Dondrup. Der Athlet mit tibetischer Herkunft sei gerade erst von einem Training für den für Mai geplanten Aufstieg auf den mit 8848 Metern höchsten Berg der Welt zurückgekehrt. Auch nach Angaben der Olympia-Organisatoren in Peking werden die Vorgänge in Tibet den olympischen Fackellauf nicht beeinträchtigen.

Nach den schweren Unruhen in Tibet planen Exiltibeter zahlreiche Proteste auf dem 13.700 Kilometer langen Weg des Olympischen Feuers um den Globus. Sie fordern außerdem, dass die Fackel nicht wie geplant durch Tibet getragen wird. Die Exiltibeter werten die Route als Bestätigung der chinesischen Fremdherrschaft über das größte Hochland der Erde. Der Mount Everest liegt an der Grenze zwischen Nepal und Tibet. (jam/dpa/AFP)

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