• Wegtreten zum Medaillenholen!: Der größte Sponsor des Olympiateams ist ... die Bundeswehr

Sport : Wegtreten zum Medaillenholen!: Der größte Sponsor des Olympiateams ist ... die Bundeswehr

Martin Hägele

"Ein deutscher Soldat verschwendet kein Geld", heißt das Motto von Winfried Dunkel, wenn er morgens in aller Früh seine olympische Patrouille beginnt. Menschen in so einer Uniform fallen auf, und irgendwann fasst sich der ältere Sydneysider, der die Sterne und Litzen auf dem hellgrauen Jacket schon lange ehrfürchtig angestaunt hat, ein Herz: "Sorry Mister, was für einen Rang haben Sie?" Generalmajor, antwortet Winfried Dunkel, und der Australier ist nun erst richtig baff: "Bei uns fahren Generäle nicht mit der U-Bahn, und sie laufen auch nicht zu Fuß."

Dem Reporter fällt in diesem Zusammenhang eine Begegnung mit den Sportbeauftragten des Bundestags ein, die während der Winterspiele in Calgary in ähnlicher Mission unterwegs waren. Die Herrschaften echauffierten sich aufs Ärgste, dass sie den letzten Teil ihrer Dienstreise in der Businessclass absitzen mussten und in Kanada kein Helikopter bereit stand, um diese Polit-Vips zwischen Pisten, Schanzen und Loipen durch die Luft zu schaukeln. Die Männer taten, als hätte jeder daheim in Bonn ein eigenes rotes Telefon stehen, in Wirklichkeit waren sie die unauffälligsten Parlamentarier der gesamten Bundesrepublik.

Der Chef des Streitkräfteamtes, der unter anderem für die Spitzensportförderung der Bundeswehr zuständig ist, hat sich sein Flugticket übers Internet von seinem Schreibtisch auf der Hardthöhe bestellt. 1680 Mark mit Gulfair, ein Last-Minute-Schnäppchen. Er legt Wert darauf, dass er down under nicht Herr Scharping spielt, sondern diesen nur vertritt. Ein verliebter Verteidigungsminister, der noch einmal Schmetterlinge im Bauch fühlt, kann nicht fürpaar Tage ans andere Ende der Welt fliegen. So würde Generalmajor Dunkel das nicht sagen. Aber ein Militär muss ja den größten Sponsor der Olympiamannschaft repräsentieren. Und er kommt in dieser Reihe gleich nach Scharping.

Im Aquatic Center, wo Dunkels Inspektionstour am Dienstagmorgen beginnt, bedanken sich alle beim Besuch. Bundestrainerin Ursula Klinger erzählt, "dass man ohne die Unterstützung durch die Bundeswehr im Kunst- und Turmspringen nicht mehr oben mitmischen kann". Und wie sie jedes Jahr, wenn der Deutsche Sportbund die Plätze in den Sportfördergruppen verteilt, um jeden Platz bettele.

Jede(r) Vierte der Olympiamannschaft gehört zu einer Sportkaserne. Der Prozentsatz der Bundeswehr-Sportler hat sich von Atlanta (20) auf 25,8 gesteigert. Von den 111 Sydney-Fahrern sind 35 Frauen. Und offenbar entwickeln die Soldaten und Soldatinnen auch höheres Leistungsbewusstsein. 34,5 Prozent der Medaillen gehen auf deren Konto.

Beförderungen stehen deshalb nicht an, und einen Extra-Medaillenspiegel, wie ihn die größte Tageszeitung im Wintersportland Thüringen etwa druckt, lehnt Dunkel generell ab. Mit den Arbeitsplätzen für 700 Spitzensportler in 25 Sportfördergruppen will sich die Bundeswehr im Spitzensport integrieren, vornehmlich in den olympischen Disziplinen. Mehr geht nicht, aber auch nicht weniger.

Ein bisschen ist der Herr Generalmajor auch stolz, dass sich seine Leute mit dem Bund nun ähnlich identifizieren, "wie das jeder bei IBM, Daimler-Chrysler oder Bayer tut". Und so hat er kurz vor der Abreise noch Weisung erlassen, tausend Sticker zu drucken. Es sind einfache, billige Sticker, auf denen Bundeswehr draufsteht und das symbolisierte eiserne Kreuz. Jede(r) hat fünf davon bekommen, weil die selbsthaftenden Aufkleber leicht abfallen und verloren gehen. Die plastifizierte Version mit den Sicherheitsnadeln erinnert dafür mehr an Vertreter-Schulungen. Doch sie tragen sie tapfer.

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