Sport : Wegweiser nach Europa

Warum Alba sein Heimspiel gegen die Skyliners aus Frankfurt gewinnen sollte

Benedikt Voigt

Beim heutigen Basketballspiel wird Marco Baldi, wie er sagt, „emotional nicht so dabei sein“. Was er gut findet, denn er ist nicht nur Vizepräsident von Alba Berlin, sondern auch Basketballfreund. Als solcher wird er sich heute in seinem Sitz zurücklehnen und das Spiel einfach nur genießen. Zumal er das Beste zu sehen bekommt, was der europäische Basketball zu bieten hat: Benetton Treviso gegen FC Barcelona.

Marco Baldi erlebt heute Abend in Barcelona live das Finalspiel der Europaliga, weshalb er das heutige dritte Viertelfinalspiel zwischen Alba Berlin und den Opel Skyliners aus Frankfurt (15 Uhr, MaxSchmeling-Halle) in der Bundesliga verpassen wird. „Aber ich werde eine Standleitung zu unserem Präsidenten legen“, sagt der Basketball-Funktionär. Das Spiel in Berlin ist zwar kein Finale, doch es verspricht ebenfalls Spannung. 1:1 steht es zwischen dem Pokalsieger aus Berlin und dem Tabellensiebten der Hauptrunde. Wer das Spiel heute gewinnt, kann sich am Dienstag in Frankfurt für das Halbfinale qualifizieren. Steht es dann immer noch unentschieden, muss ein fünftes Spiel am nächsten Donnerstag in Berlin entscheiden. Für Alba ist die Partie heute nicht nur bedeutsam, um in der Meisterschaft weiterzukommen. Sondern auch, um sich für die Europaliga zu qualifizieren. Der Bundesliga-Commissioner Otto Reintjes sagt: „Wenn Alba ins Halbfinale kommt, dann hat sich Alba bereits für die Europaliga qualifiziert.“

Ganz sicher ist sich der BBL-Chef zwar nicht. „Ich habe mir das letzte Woche ausgerechnet“, sagt Reintjes. Doch die Rechnung ist nicht einfach. Klar ist nur, dass der Verein, der die meisten Punkte besitzt, von der BBL als Europaligateilnehmer für die kommende Saison gemeldet wird. Eigentlich hatte die Union unabhängiger europäischer Basketball-Ligen (Uleb) vor dieser Saison Alba Berlin mit einem neuen Dreijahresvertrag für die Europaliga ausstatten wollen. „Doch die BBL wollte das nicht“, sagt Baldi. Nun muss sich der Europaligateilnehmer über eine Wertung qualifizieren, in die das Abschneiden aus den vergangenen drei Jahren eingeht.

Es spricht vieles dafür, dass Alba diese Wertung gewinnt. Da die Berliner zuletzt immer Meister geworden sind und inklusive der laufenden Saison auch zwei Pokalsiege vorzuweisen haben, führen sie bereits deutlich. Die Uleb-Funktionäre haben bereits deutlich gemacht, dass sie es am liebsten sehen würden, wenn Alba Berlin wie schon in den vergangenen beiden Jahren wieder mitspielt. „Wir haben gezeigt, dass wir ein attraktiver und zuverlässiger Partner sind“, sagt Baldi.

Zumal sich die Europaligawünsche bei anderen Klubs gegenwärtig in Grenzen halten. „Das Thema ist für uns weit weg“, sagt Wolfgang Wiedlich, der Präsident der Telekom Baskets Bonn. Der Tabellenführer der Hauptrunde liegt im Viertelfinale gegen Leverkusen 1:2 zurück, auch die Finanzierung der nächsten Saison ist schwierig.

„Wir haben schon europäischen Ehrgeiz bewiesen“, sagt der Bonner Präsident, „aber wir haben nie geäußert, dass wir unbedingt in der Europaliga spielen müssen.“ Auch eine geeignete Halle könnten die Bonner nicht vorweisen. Die Europaliga verlangt Hallen für mindestens 5000 Zuschauer. „Wir würden versuchen, eine Ausnahmegenehmigung für die Hardtberg-Halle zu bekommen oder in die Kölnarena gehen“, sagt Wiedlich. Doch die Kölnarena ist an vielen Terminen vergeben.

Für Alba Berlin ist das Thema Europaliga realistischer. Marco Baldi weilt heute nicht nur als Basketballfan in Barcelona, sondern auch als Funktionär. Er sitzt als Vertreter der Vereine im Vorstandsgremium der Euroleague. „Es macht Spaß, wenn man etwas mitentwickeln kann“, sagt Baldi. Er kann sich nicht vorstellen, dieses Ehrenamt auch noch auszuüben, wenn ein anderer deutscher Verein in der besten europäischen Liga spielt. Sein Verein könnte ihm helfen, seinen Job am Europaligasitz in Barceloina zu behalten. Indem Alba gegen Frankfurt weiterkommt.

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