Weibliche Ware : Frauenfußball: Weg vom Äußerlichen

Der Frauenfußball muss sich zur WM im kommenden Jahr in Deutschland von der Reduzierung aufs Äußerliche emanzipieren. Bei der Auslosung der Vorrundengruppen waren die Veranstalter davon weit entfernt.

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Die lustigsten Sätze des Abends sprach Petra Roth. Die Frankfurter Oberbürgermeisterin dankte erst dem Fußball-Weltverband Fifa dafür, dass ihre Stadt „mit der endlosen Ausrundung betraut wurde“. Und kurz nach der Endrunden-Auslosung der Frauen-WM im kommenden Jahr freute Frau Roth sich schon mal aufs Endspiel, denn da „geht es um jeden Punkt“.

Gut, dass die Fernsehkameras noch nicht eingeschaltet waren, sonst hätte sich ein Millionenpublikum zur besten Sendezeit mal wieder das Maul zerreißen können über Frauen und Fußball. Schalke 05 und so. Carolina Morace kennt diesen Reflex. Es ist jetzt bald zwölf Jahre her, da hat Signora Morace als erste Frau überhaupt versucht, die Männer eines Profiteams zu trainieren. Das Experiment beim italienischen Drittligisten US Viterbese währte zwei Spiele lang. Nach reichlich Witzen über gemeinsames Duschen und der Erkenntnis, dass der Vereinsboss sie nur zu PR-Zwecken engagiert hatte, war Schluss. Carolina Morace kündigte und zog sich wieder zurück in ihre Berufe als Rechtsanwältin und Fernsehkommentatorin. 2006 verkündete sie aus Berlin Italiens Triumph im WM-Finale gegen Frankreich.

Fünf Jahre später wird sie ins Olympiastadion zurückkehren. „La Morace“ trainiert die kanadische Nationalmannschaft, die am 26. Juni im Spiel gegen Deutschland die WM eröffnet. Ja, sie ist ein bisschen aufgeregt, „vor so einem Publikum spielst du ja nicht so oft“, denn die Deutschen würden bestimmt für ein ausverkauftes Stadion sorgen, „ihre Organisation ist perfekt“. Dass aber nun am Gelingen der WM 2011 die Zukunft ihres Sports liege, geht ihr dann doch ein bisschen zu weit. „Frauenfußball wächst in vielen Ländern, nicht nur in Deutschland“, sagt sie. Und dass die Zukunft doch eher in der Faszination des Spiels liege.

Es ist dieses Selbstbewusstsein, das sich abhebt von dem allgemeinen Trend, Frauenfußball der Männerwelt vor allem als Ware von äußerer weiblicher Anmut anzupreisen. Morace wurde bei ihrem Dienstantritt in Viterbese mit einem rosa ausgeschmückten Stadion empfangen. Das ist gar nicht so weit weg von dem Niveau, für das sich die WM-Organisatoren in DFB und Fifa entscheiden haben. Das beginnt mit dem offiziellen Slogan: „20Elf von seiner schönsten Seite“ steht längst auf dem Index bei Feministinnen (und nicht nur bei denen). Und es wird nicht enden bei der Losfee, die für die Frankfurter Gala am Montag engagiert worden war. Adriana Karembeu, geboren und bekannt geworden unter dem Namen Sklenarikova, ist zwar mit dem französischen Weltmeister Christian Karembeu verheiratet. Ihre Berühmtheit aber verdankt die Slowakin ihren auch im Guiness-Buch notierten 1,25 Meter langen Beinen, die sie eher selten zum Grätschendribbelnschießen einsetzt. Die anerkennenden Pfiffe bei ihrer Präsentation waren eingeplant – nicht billigend, sondern beifallheischend.

Es liegt auch an dieser Banalisierung, dass der Frauenfußball im Establishment der klassischen Fußballländer immer noch nicht die Akzeptanz erfährt, die ihm aufgrund seiner Erfolge gebühren könnte. Oliver Kahn etwa sagte seine Teilnahme ab mit der Begründung, er habe von 8 bis 15 Uhr wegen schlechten Wetters auf dem Münchner Flughafen festgesessen. Der Zug nach Frankfurt fährt drei Stunden. Der ebenfalls verhinderte Franz Beckenbauer hätte aus Salzburg nur unwesentlich länger gebraucht. Fifa-Präsident Joseph Blatter hatte schon vergangene Woche abgesagt wegen unaufschiebbarer Termine. Es gehört nicht viel Fantasie dazu, die Termine mit Problemen im Dunstkreis der Vergabe der (Männer-)WM-Turniere 2018 und 2022 anzusiedeln.

Blatter fand immerhin noch Zeit für einen Anruf bei Steffi Jones. „Er hat sich für sein Fehlen entschuldigt“, sagte die Präsidentin des WM-Organisationskomitees mit einem Anflug von Sarkasmus, darüber habe sie sich sehr gefreut, „denn das hätte er ja nicht machen müssen.“ Jones ist eine Frau, die ihren Charme nicht äußerlichem Firlefanz verdankt. Sie war ein wenig nervös vor der Auslosung und avancierte doch mit ihrer Natürlichkeit, ihrem Witz und ihrer Schlagfertigkeit im Fußumdrehen zum Star des Abends. Das Problem, dass von einer Million Tickets die Hälfte noch zu haben sei, umging sie mit dem Hinweis auf ein bevorstehendes Kirchenfest: „Seit heute Abend weiß jeder, wer gegen wen spielt. Jetzt gehen noch mal 150 000 Karten in den freien Verkauf. Also, wenn das kein schönes Weihnachtsgeschenk ist!“ Auf die sinnfreie Frage nach dem Wetter im kommenden WM-Sommer antwortete Steffi Jones, ihr Pendant Franz Beckenbauer habe 2006 den Papst gefragt, „so werde ich das auch machen“.

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